Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

Nur Warmwasserbereitung oder Warmwasserbereitung und Heizung? Was sind Eure Erfahrungen mit Thermosolaranlagen? Wer hat Tipps zur Umsetzung?

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Axel Horn
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Registriert: Samstag 7. März 2015, 22:03

Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

Beitrag von Axel Horn »

Nach den Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt vom 11. März 2015 gibt es einen Kombinationsbonus bis zu 500 EUR je Anlagenkombination beim gleichzeitigen Anschluss der Solarkollektoranlage an ein Wärmenetz. Allerdings nennt das Formular des Förderantrags abweichend von den Richtlinien eine zusätzliche Bedingung: "Sie versorgt außer dem Gebäude des Anlagenbetreibers/Antragstellers mindestens ein weiteres Gebäude mit Wärme."

Aber welche Wärmeübergabestation ist schon für eine Einspeisung von Solarwärme ins Netz geeignet? Damit ist der Kombinationsbonus in der Praxis bis auf wenige Ausnahmen nur für die gleichzeitige Installation eines neuen Kessel oder einer Wärmepumpe nutzbar.

Vielleicht handelt es sich bei dem Satz im Förderantrag nur einen Verschreiber? Denn natürlich muss definiert sein, was ein Wärmenetz ist. So formuliert bekommt der Nachsatz einen Sinn: "Dieses Wärmenetz versorgt außer dem Gebäude des Anlagenbetreibers/ Antragstellers mindestens ein weiteres Gebäude mit Wärme."

Eine ausführliche Darstellung der Thematik findet sich in dieser Präsentation: http://www.ahornsolar.de/bins/Solarther ... enetze.pdf

Ich hoffe, dass sich diese Einschätzung bis zu den zuständigen Stellen im Ministerium herumspricht. Vielleicht können ja diejenigen hier im Forum mithelfen, bei denen eine entsprechende Installation gerade geplant ist.
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
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Axel Horn
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Re: Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

Beitrag von Axel Horn »

Das BAFA antwortete dem Bundesverband Solarwirtschaft zu dieser Thematik folgendes:

"Idealerweise wird die Sonnenkollektoranlage an ein richtiges Nahwärmenetz angeschlossen und stellt damit mittelbar anderen Gebäuden Wärme zur Verfügung. Hierfür ist der Wärmenetzbonus eigentlich gedacht.
Als Ausnahme akzeptiert das BAFA aber auch die unmittelbare Bereitstellung der erzeugten Wärme für mindestens ein weiteres Gebäude. Das ist unsere Mindestanforderung für die Gewährung des Wärmenetzbonus.
Es ist ein Missverständnis, dass wir nur bei Erfüllung dieser Mindestanforderung den Wärmenetzbonus gewähren. Selbstverständlich wird er für den Anschluss an ein richtiges Wärmenetz gewährt."

Im Klartext: wenn es sich um ein kleines Wärmenetz von wenigen Häusern handelt, dann muss die Solarthermieanlage die produzierte Wärme- ggf. nach Abzug des Eigenverbrauchs im Gebäude, auf dem sie installiert ist - in das Wärmenetz abgeben.

Bei großen Wärmenetzen genügt es, wenn die dezentral installierte Solarthermieanlage den Energieverbrauch aus dem Wärmenetz reduziert, was vom BAFA als mittelbare Wärmelieferung an die anderen Verbraucher im Wärmenetz angesehen wird.

Es gibt Wärmenetzbetreiber, die sich - wie früher die Stromversorgungsunternehmen bei der Photovoltaik - dagegen sträuben, wenn dezentrale Solaranlagen den Energieverkauf im Sommer ausbremsen. Das ist jedoch zu kurz gedacht. Solare Kombianlagen mit Pufferspeicher benötigen zwar weniger Energie aus dem Wärmenetz, haben aber deutlich niedrigere Rücklauftemperaturen bei der Trinkwassererwärmung und ersparen an vielen Tagen des Jahres dem Netzbetreiber die Temperaturhaltung in der Anschlussleitung zum Gebäude. Solare Volldeckung des Wärmebedarfs leistet es, Wärmeverluste in Höhe von rund 2 kWh/Tag pro 10 m Anschlussleitung zu vermeiden. Diese Einsparung kommt voll dem Netzbetreiber zugute.
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
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Axel Horn
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Re: Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

Beitrag von Axel Horn »

Die Bundesregierung hat verstanden, dass eine Wärmewende nicht ohne Wärmenetze funktioniert. Deshalb gibt es im der neuen Bundesförderung für Effiziente Gebäude (BEG) - Einzelmaßnahmen - jetzt auch einen Zuschuss für den Anschluss an ein Gebäudenetz oder Fernwärmenetz, wenn die über das Netz gelieferte Energie zu wenigstens 25% aus Erneuerbaren Energien kommt. Der prozentuale Zuschuss ist vom Anteil der Erneuerbaren Energien im Netz und davon abhängig, ob durch den Wärmenetzanschluss ein Ölkessel getauscht wird:

30% bei mind. 25% EE
35% bei mind. 55% EE
40% bei mind. 25% EE und Austausch Ölkessel
45% bei mind. 55% EE und Austausch Ölkessel

In Verbindung mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht sich der Zuschuss um nochmals 5%-Punkte.

Der Zuschuss wird auch für im Zusammenhang mit dem Wärmenetzanschluss installierte Sonnenkollektoren gezahlt.

Warum sollte man aber auch Solarthermie installieren, obwohl das Wärmenetz schon einen beträchtlichen Anteil Erneuerbarer Energien liefert? Es gibt einfach einen direkten persönlichen Vorteil, weil die Mehrkosten für den Sonnenkollektor relativ gering sind, wenn die Anlage sowieso umgebaut wird und ein Drittel bis zur Hälfte der Investition vom Zuschuss gedeckt ist. Das sorgt für einen niedrigen Preis der Solarwärme, der sich gegen den bei vielen Wärmenetzen relativ hohen kWh-Preis rechnet.
Aber auch das Wärmenetz profitiert davon, wenn mit der Solarthermie eine Anlagentechnik installiert wird, die immer eine niedrigere Rücklauftemperatur liefert als herkömmliche Schaltungen.
Am Schluss profitiert auch das Klima, denn die meisten Wärmenetze beziehen ihren Erneuerbaren Energien-Anteil aus Brennholz. Solarthermie schont diese knappe Ressource. Selbst bei Geothermie ist dezentrale Solarthermie gesamtenergetisch sinnvoll, weil für die dezentral erzeugte Solarwärme viel weniger Pumpenstrom verbraucht wird als für die großen Pumpen, die das Geothermiewasser kilometerweit durch den Untergrund pressen.
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
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