PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen

Hier können Sie Ihr Energiespar-Projekt vorstellen.

PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen

Beitragvon Energiesparer26990 » Sonntag 20. August 2017, 12:48

Objekt:
Doppelhaushälfte Baujahr 1960/61
132 m² Wohnfläche verteilt auf 2 Etagen.
Massivbau mit 24er Mauerwerk, nicht isoliert.
Satteldach mit 45° Neigung. Ausrichtung Süd-Ost.
Unterkellert, jedoch im Keller nicht volle Geschoßhöhe (nur 210 cm)
Keller nicht isoliert.
Dachgeschoß ausgebaut. Dach zum damaligen Zeitpunkt nicht isoliert.
Technik:
Wasserleitungen verzinkt.
Beheizt wurde das Gebäude nur im Wohnzimmer mit einem Ölofen und in der Küche
mit einem Kohleherd, der gleichzeitig Kochstelle war.

Bewohnt wird das Gebäude aktuell von 4 Personen.
Gekauft haben wir das Objekt 1995.


Maßnahmen des Vorbesitzers: (soweit uns mitgeteilt)
- 1978
Einbau einer Ölzentralheizung.
Ölkessel: 28 kW
Brauchwasserbehälter: 120 Liter
Lagervolumen: 8.000 Liter (4 Kunststofftanks a 2.000 Liter)
Kein Außentemperaturfühler. 3-Wege Mischer. 1 Heizkreis mit Heizkörper in jedem Zimmer.
Die Rohrleitungsquerschnitte wurden damals üppig bemessen. Im Keller wurden z.B. 11/2"-Leitungen verlegt!
Alle Rohrleitungen wurden vom Vorbesitzer isoliert.
- 1986
Isolierung des Dachgeschosses mit Glaswolle. Ca. 12 cm. Zwischensparrendämmung.
- 1989 - 1991
Austausch der einfach verglasten Fenster durch Fenster mit Doppelverglasung.
Austausch der Haustüre.

Gemessener durchschnittlicher Verbrauch pro Jahr (nach Kauf):
3600 Liter Heizöl. (ca. 36.000 kWh)
ca. 120 m² wurden beheizt = ca. 30 Liter / m² Verbrauch.
Warmwasserverbrauch wurde nicht seperat erfasst und ist in obigem Verbrauch enthalten. Der reine Heizanteil ist somit
etwas geringer, aber immer noch sehr hoch.

Persönliche Situation, Motivation
Die sehr gute Lage des Hauses, ruhig und trotzdem eine sehr gute verkehrstechnische Anbindung des Wohngebietes,
eine sehr gute Infrastruktur in Bezug auf Ärzte, Kindergärten, Schulen; eine sehr angenehme Nachbarschaft, haben uns bis
heute unseren Kauf des Hauses nicht bereuen lassen.
Ich selbst habe einen Elektroberuf erlernt, arbeite aktuell aber in der Industrie.
Handwerklich gehöre ich nicht zu den "Hochbegabten". Ich lasse eigentlich lieber Arbeiten durch einen Handwerker
ausführen. Dies hat sich im Laufe der Zeit jedoch etwas verändert. Auch weil wir viele Enttäuschungen mit Handwerkern
hatten. Hierzu aber in späteren Berichten mehr.
Der hohe Heizölverbrauch hat zum damaligen Zeitpunkt nicht gestört. Damals ist man noch nicht von hohen Preissteigerungen beim Öl ausgegangen.
Die ersten Heizölrechnungen lagen bei 0,38DM / Liter. Energetische Sanierungen waren deshalb
nicht oberstes Ziel, sollten jedoch bei anstehenden Sanierungen oder Reparaturen immer wieder mit einbezogen werden.
Persönlich habe ich mir dabei folgende Vorgaben gesetzt:
1. Umsetzung von energetischen Maßnahmen, die sich innerhalb eines Zeitfensters von max. 10 Jahren amortisieren. (= rentabel)
2. Maßnahmen die das "Wohngefühl" verbessern, sich aber nicht zwangsläufig gemäß Punkt 1 "rechnen"

Ich werde hier über die verschiedenen Maßnahmen berichten. Positiv wie negativ.
Warum wurden die Maßnahmen durchgeführt?
Was haben die Maßnahmen gebracht?
Was haben die Maßnahmen gekostet?
Wie schwierig war es an passende Infos zu kommen bzw. die "richtigen" Handwerker zu finden?

Ich möchte es bei dieser "Einführung" belassen. Für die Berichte zu den bisher umgesetzten Maßnahmen benötige ich ein wenig Zeit und muß erst die Daten heraussuchen und aufbereiten.
Energiesparer26990
 
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PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen - 1.Update

Beitragvon Energiesparer26990 » Donnerstag 24. August 2017, 18:35

Die ersten Schritte beim Energiesparen

1. Problem: Fehlende Informationen.
Nach dem Kauf des Hauses wurden rege Diskussionen im Kollegen- und Freundeskreis geführt.
Der Energieverbrauch war natürlich auch ein Thema. Im Vergleich zu Neubauten aus den 90er Jahren,
bzw. ähnlich großen Mietwohnungen, zeigte sich, das unser Haus einen relativ hohen Energieverbrauch hatte.
Vor allem auch, weil der Vorbesitzer bereits erste energetische Maßnahmen durchgeführt hatte.

Schnell zeigte sich Problem Nr. 2: Viele unterschiedliche Meinungen und Ansätze zum gleichen Thema.
Jeder favorisiert natürlich das, was er selbst umgesetzt hat als die vermeintlich beste Lösung. Bei Eigenleistungen
steckt zusätzlich "viel Herzblut" in der Arbeit. Da gibt man nicht unbedingt gleich zu, das einem selbst Fehler unterlaufen sind.
Die Bauweisen der Häuser sind letztlich nicht 1:1 vergleichbar und die jeweiligen Bewohner haben ein unterschiedliches
Empfinden zu Wärme, Kälte und Zugluft. Sind ältere Menschen, oder Kinder, im Gebäude sind die Heiztemperaturen
in der Regel höher eingestellt als man in vielen Literaturvorgaben lesen kann. Die Gebäude oder Wohnungen befinden sich
zudem oftmals in unterschiedlichen klimatischen Regionen (z.B. Bayern mit viel Schnee oder das sonnenverwöhnte Freiburg)
Als Laie macht das die Situation nicht einfacher. Aber eines zeigte sich bei den ganzen Diskussionen auf jeden Fall:
Man muß sich informieren. Und Informieren heißt nicht, direkt der 1. Quelle sein ganzes Vertrauen zu schenken.
Man muß lernen, die für sein eigenes Objekt passenden Infos herauszufiltern.

Ich hatte zum Thema Energiesparen "Feuer" gefangen. Mein persönliches Ziel war, meine Kenntnisse zu erweitern.
Meine Quellen sahen zu diesem Zeitpunkt wie folgt aus:
1. Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen
2. Internet (verschiedene Foren, WIKIS, Firmenseiten, Verbraucherseiten, Fachberichte von Universitäten.......usw.)
3. Messebesuche (Handwerksmessen, regionale Messen...... usw.)


Zur Info hier einige Temperaturen für ausgewählte Zimmer unseres Hauses:
Bad: 26°C
Wohnzimmer: 24°C
Küche: 22°C
Schlafzimmer: 19°C

Dies sind höhere Einstellwerte als bei meinen Freunden und Bekannten. Und höhere Werte als die Empfehlungen von
Verbraucherseiten usw. Abrücken von den bisherigen Einstellungen wollten wir jedoch nicht.
Klar kann man Energiesparen, indem man die Temperaturen senkt. Evtl. dickere Kleidung anzieht.
Dafür haben wir jedoch kein Haus gekauft. Ein eigenes Haus bedeutet für uns auch der Gewinn an mehr Komfort.

Unsere Definition von Energiesparen:
Energiereduzierung ja, aber bei gleichbleibendem Komfort.


Diesen "minimalsten Energieeinsatz" gilt es zu finden. In den Gesprächen kam schnell heraus, das bei den bisher verbauten
technischen Komponenten, z.B. der Heizung, "einige Luft" vorhanden ist.

In den 70er Jahren war es nicht unüblich, Heizungsanlagen überzudimensionieren.
(vermutlich ist das auch heute noch so)
Hauptsächlich kamen, wie bei uns, Heizkörper als Wärmetauscher zum Einsatz.
Auch diese Heizkörper wurden in der Regel größer als notwendig ausgelegt.
Vereinfacht könnte man sagen:
kleine Wärmetauscherfläche = Heizkörper = hohe Vorlauftemperaturen
große Wärmetauscherfläche = Fußbodenheizung (in der Regel) = kleine Vorlauftemperaturen

Zusätzlich werden bei Heizungsauslegungen die Normaußentemperaturen berücksichtigt.
Bei unsererm Wohnort habe ich -12°C recherchiert.
Leider (oder Gott sei Dank) hält sich das Wetter nicht an die Normen.
Gemäß Wetteraufzeichnungen wurden auch schon -20°C an unserem Wohnort gemessen.
Dies war allerdings immer nur ein paar Tage der Fall. Genauso hat sich gezeigt, das Temperaturen
unter 0°C auch nur sehr selten sind. Meistens liegt der Wert im Mittel bei 0°C bis +3°C. Also wesentlich wärmer
als der Normaußenwert. Der Errichter einer Heizung ist jedoch bestrebt, auch beim kältesten Wert
eine warme Wohnung zu garantieren. Deshalb war die Heizungsanlage auch unser erster Ansatz.

Die Daten unserer Öl-Heizung:
Firma: Strebel, Baujahr 1978, Gußkessel
Leistung: 28kW
Heizkreistemperatur: 80°C
Warmwassertemperatur: 60°C
Abgastemperatur: 190°C (gemäß letztem Protokoll des Schornsteinfegers)
kein Außentemperaturfühler
1 Heizkreis (Heizkörper)
Jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb.

Ein Arbeitskollege vermutete eine Auslegung der Heizkörper auf 70 / 60 / 50°C. Unterlagen dazu fand ich jedoch nicht.
Im Vor- und Rücklauf war ein Thermometer eingebaut.
Um eine Überdimensionierung zu erkennen, haben wir die Heizkreistemperatur in kleinen Schritten abgesenkt.
Wichtig hierbei waren folgende Schritte:
1. Dokumentation der vorgenommen Einstellungen und der eingetretenen Veränderung(en).
2. Klärung mit dem Kesselhersteller, in wieweit man bestimmte Parameter ohne Schäden am Gerät verändern kann.
Da es den Hersteller von unserem Kessel nicht mehr gab, haben wir uns auf Erfahrungswerte und Angaben
von Kollegen gestützt. Die Empfehlung war, tiefer als 60-65°C nicht zu gehen.
3. Nach Absenkung der Heizkreistemperatur, Nachregulierung der Wassermenge über den eingebauten Dreiwegemischer.

Ergebnis:
Heizkreistemperatur konnte bis auf 60°C abgesenkt werden. Keine Schäden am Kessel feststellbar.
Tiefste erreichte Außentemperatur im Vergleichszeitraum waren -16°C. Die Heizkörper konnten trotzdem die eingestellten Temperaturen in den Zimmern halten. Um einen realistischen Einspareffekt zu erkennen, habe ich mehrere Jahre verglichen.

ToDo:
Heizkreistemperatur vorher: 80°C
Heizkreistemperatur nachher: 60°C
Aufwand mit Dokumentation: ca. 8h - verteilt über mehrere Wochen
Schwierigkeitsgrad: einfach (kann jeder)

Kosten:
keine, da Eigenleistung
Verbrauch vorher: 3600 Liter / a
Verbrauch nachher: 3200 Liter / a
Sicher konnte eine Einsparung von 400 Liter Öl nachgewiesen werden.

Mittlere Kosten für Heizöl ca. 0,75DM / L

Einsparung:
400L * 0,75DM = 300DM (ca. 153€/a) :D

Amortisierungsdauer: 0 Jahre

Ein weiterer Ansatz haben wir erstmal nicht weiter verfolgt:
Der Heizkessel ist für unser Haus wesentlich zu groß.
Im Internet hatte ich eine grobe Formel für die Kesselleistung gefunden:

Verbrauch / Faktor 250 = Größe des Kessels
Bei uns:
3200L / 250 = 12,8kW

Es wäre also nur eine Kesselleistung von ca. 13kW für die Beheizung unseres Hauses notwendig. Installiert
sind jedoch 28kW. Also haben wir die doppelte! Leistung, die eigentlich notwendig wäre, installiert.
Diese Überdimensionierung machte sich in einer ständigen Taktung des Kessels bemerkbar.
Eine Leistungsanpassung war über die Düse oder den Brenner, gemäß Auskunft der Wartungsfirma, leider
nicht möglich. Deshalb haben wir diesen Ansatz nicht weiter verfolgt.

Ebenso war zum damaligen Zeitpunkt der hydraulische Abgleich kein Thema. Deshalb haben wir das Thema
damals auch nicht angegangen. Im Nachgang verwundert mich heute, das selbst die Wartungsfirma für die Heizung
einen solchen Abgleich nie angesprochen oder empfohlen hat.
Zuletzt geändert von Energiesparer26990 am Mittwoch 30. August 2017, 13:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen

Beitragvon Energiesparer185750 » Freitag 25. August 2017, 21:36

Da möchte sich keiner die Finger verbrennen... :D :D :D . Die meisten Personen und Firmen denken, immer noch, eine Heizung muss heiß sein.... Meistens kann man dieses selbst durchführen und alles gut aufschreiben. So kann man sehen was am besten klappt. Ideal macht man dieses im Novemberwochen , prüfen im Dezember, nachstellen im Januar Meistens sehr kalt.... so bekommt man eine sehr gute Auskühlung. Evtl kann man dann nochmal die Vorlauftemperatur anpassen..... Ganz wichtig ist auch wie die Umwälzpumpe läuft. Hier ist auch viel Potential.
Energiesparer185750
 
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PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen - 2.Update

Beitragvon Energiesparer26990 » Mittwoch 30. August 2017, 13:20

Erweiterung der Wohnfläche

1999, ca. 4 Jahre nach Kauf unseres Hauses, war der Wunsch vorhanden, den Wohnraum zu vergrößern und in Teilen
neu zu gestalten. Da bisher 2 Generationen im Haus wohnen, sollten die Bereiche besser an die Erfordernisse
angepasst werden. Angedacht haben wir die Erweiterung um 2 zusätzliche Zimmer, 1 Küche und Bad sowie einen
Wintergarten im EG des Bestandsgebäudes.
Die Elektrik des vorhandenen Hauses war zwar vom Vorbesitzer schon etwas erweitert worden, jedoch entsprach die
Installation noch immer dem 70er Jahre Standard. Im Vergleich zur damaligen Zeit haben sich die elektronischen
Helfer in der Küche und allgemein im Haus (Beispiel: Computer) sowie im Garten enorm vermehrt. Die Elektroinstallation
sollte in diesem Zuge an die Neuzeit angepasst werden.
Für die Umsetzung unserer Gedanken beauftragten wir einen Architekten. Es wurden mehrere Entwürfe vorgestellt.
Die Überbauung einer vorhandenen Garage auf der Nord-West-Seite hat das beste Potential aufgezeigt und entsprach
auch unseren Wünschen. Wir hatten ursprünglich mit einer Erweiterung der Fläche von ca. 80-90m² kalkuliert.
Der vorliegende Entwurf hatte eine Fläche von zusätzlichen 120m² vorgesehen. Da dieser Entwurf aber perfekt auf unsere
Bedürfnisse passte, haben wir uns auf die größere Variante festgelegt.
Da sich die Wohnfläche verdoppeln wird, war das Thema Energie natürlich ein wichtiger Faktor.
Zum damaligen Zeitpunkt lag der Verbrauch des Hauses bei 3200 Liter Heizöl / Jahr. Durch die Verdoppelung des
Wohnraumes sollte sich nicht automatisch der Ölverbrauch auch verdoppeln. 6000 Liter Heizöl Verbrauch / Jahr wären
schon eine Hausnummer bei den Kosten. Dies war damals ein absolut "vereinfachter" Ansatz. Eine Berechnung lag uns
zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.
Da wir auch noch nicht wussten, in welche Richtung energetische Maßnahmen sinnvoll sein könnten, haben wir dem
Architekten erstmal nur eine allgemeine Vorgabe(n) mitgegeben:
1. Über die zum Genehmigungszeitpunkt vorliegenden Vorgaben hinaus sollte geprüft werden, welche erneuerbaren
Energien rechnerisch sinnvoll in die Planung eingebunden werden können (und sollen) Hier war der Amortisierungs-
zeitraum von 10 Jahren eine erste Richtschnur.
2. Energetische Maßnahmen die sich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht in der Umsetzung rechnen, sollten zumindest
dahingehend geprüft werden, ob bereits die notwendige Infrastruktur, z.B. Verlegung von Kabeln, Rohre, mit geringem
Mehraufwand vorgesehen wird.

Vorgaben:
1. Isolierung des Gebäudes (wenn sinnvoll)
2. Einbindung Solarthermie
3. Wechsel des Energieträgers (bisher Öl) möglich
4. Einbau von Holzöfen sollte möglich sein (Kamin vorsehen?)

Ergebnis:
Der Architekt präsentierte uns einige Wochen später sein Ergebnis.
Das Gebäude wurde mit einer durchgängigen Außenisolierung von 8cm Styropor geplant und berechnet.
Zu allen anderen Punkten hat er "Angebote" von verschiedenen Firmen, u.a. Heizungsfirmen, angefordert.
Als diese Angebote vorlagen, wich die Freude doch erstmal einer großen Ernüchterung.
Die verschiedenen Firmen hatten nur die Berechnungsgrundlage des Architekten genommen und eine dafür
ausgelegte Heizung angeboten. Angebote kamen nur zu Öl- und Gasheizungen. Dies war erstmal nicht dramatisch.
Auffällig jedoch war, das trotz der Weitergabe unser Wünsche keine Empfehlungen und Maßnahmen für die
zukünftige Einbindung von regenerativen Energien in den Angeboten enthalten waren. In einer zweiten Anfrage
an diese Firmen konkretisierten wir nochmals unser Anliegen. Es sollte geprüft werden, ob Solarthermie, Holz-,
Pelletsöfen usw. evtl. Vorteile gegenüber Öl bieten könnten bzw. alternativ sollten die Vorkehrungen für einen
späteren Einbau vorgenommen werden. Diese zweite Runde beinhaltete nun (endlich) Solarthermie, jedoch
keine anderen Techniken. Die Erklärung, warum "nur" auf Öl oder Gas gesetzt wird, blieb unbeantwortet.
Es folgte ein längeres Gespräch mit dem Architekt. In der Regel, wie bei uns, werden TGA-Leistungen nicht
vom Architekten selbst erbracht, sondern bei Fachfirmen angefragt. Die Frage, ob ein TGA-Planer hier
sinnvollere Vorschläge unterbreiten könnte, wurde zwar nicht grundsätzlich verneint, jedoch mit Bezug auf die
zusätzlichen Kosten in Frage gestellt. Da wir mit der Umsetzung des Zusatzwohnraumes nicht in zeitlichem
Konflikt standen, haben wir den TGA-Teil komplett aus dem Leistungskatalog des Architekten herausgenommen.
Der Architekt wurde nur noch für die Erstellung des Rohbaues beauftragt.
Auch die Fenster und der komplette Innenausbau haben wir unter Eigenregie aus- bzw. durchgeführt.

Zum damaligen Zeitpunkt wurde bereits ein energetisches Gutachten für ein Haus durch den Bund bezuschusst.
Um uns einen besseren Überblick über die Substanz des Gebäudes zu machen, nutzten wir diese Gelegenheit.

Gesamtkosten: 1000 DM
Zuschuss: 650 DM
Eigenanteil: 350 DM

Das Gutachten gab uns weitere technische Einblicke zu unserem Gebäude. Wer keine Infos zum energetischen
Zustand zu seinem Gebäude hat, für den ist diese Maßnahme durchaus zu empfehlen.

Parallel haben wir bei verschiedenen Firmen Angebote für die Anpassung/Erneuerung unserer Haustechnik angefragt.
Folgende Vorgaben haben wir gemacht:
1. Daten zur zukünftigen Gebäudeerweiterung
2. Angaben zur bestehenden Technik (bisher erkannte Vor - und Nachteile)
3. Vor-Ort-Termin ist möglich, wenn von Firma gewünscht
4. Wir würden gerne zukunftsfähige Energieträger einsetzen
5. keinen definierten Kostenrahmen

Ein nach oben offener Kostenrahmen sollte eigentlich die Ideen der Handwerksbetriebe geradezu "zum Sprudeln" bringen.
Doch, leider, weit gefehlt. Man nutzte eher unsere "Unerfahrenheit" für "standardisierte" technische Vorschläge.
Scheinbar haben wir ein Haus in einem absoluten Niemandsland, was zukunfts- und beratungsorientierte
Handwerksbetriebe angeht, gekauft. Dies zog sich auch wie ein "roter Faden" durch unser(e) Vorhaben.
Den, oder die, richtigen Betriebe zu finden erwies sich sehr oft als Lotteriespiel.
Vielleicht war die Zeit für Energiesparen zum damaligen Zeitpunkt noch nicht reif. Heute hat sich da schon sehr viel
mehr bewegt.
Aber zurück zu unserem Bauvorhaben. Die Maßnahme sollte begonnen werden. Entwürfe zur Technik, soweit in dieser
Phase des "Rohbaues" notwendig, mussten erstellt werden.

Wir haben uns für folgende zusätzliche Maßnahmen bei der Infrastruktur entschieden:

1. Parallel zum neuen Kamin, für den (die) Holzöfen, wurde vom Keller bis ins Dachgeschoß eine Vor- und Rücklaufleitung
in DN 22 für eine zukünftige Solarthermieanlage gezogen.
2. Vorbereitung für eine Regenwasserrückhaltung.
3. Zum damaligen Zeitpunkt war Smart Home noch kein ausgeprägter Begriff. Es gab allerdings schon KNX (damals EIB)
War sehr teuer. Ich sah darin allerdings eine Zukunft. Eine Wintergartensteuerung, eine Jalousiesteuerung usw.
sind konventionell aufgebaut und verdrahtet auch sehr teuer. Ich habe ich einen Vergleich der notwendigen
konventionellen Ausführung zu der "Luxusvariante" KNX erstellt. Dieser Vergleich war, wenn nur diese Maßnahmen im
KNX-System aufgebaut werden, nahezu kostenneutral.
Deshalb habe ich in allen neuen Räumen die E-Installation wie folgt vorbereitet:
- KNX-Buskabel zur Decke, zu jedem Fenster, zu jeder Tür.
- Koax-Kabel in jede Raumecke
- CAT6-Kabel in jede Raumecke (zukünftiges Netzwerk?)
- Telefonleitung in jede Raumecke
- setzen nur von tiefen Schalterdosen. Mindestens pro Tür, Fenster, jeder Raumecke. 1 Blinddose zusätzlich.
- Verlegen von 7x1,5mm² Leitung statt 3x1,5mm². Gibt die Möglichkeit, später Steckdosen, Lampen usw. "schaltbar"
zu machen.
- Zusätzliche Mehraderkabel für Datenaustausch zwischen den einzelnen Unterverteilern

Die Infrastruktur wurde so konzipiert, das nach und nach, mit der Renovierung der restlichen Räumlichkeiten,
diese auch dort installiert werden kann.

Kosten:
Vorbereitung Solarthermie: 400 DM
Vorbereitung Regenwassernutzung: 150 DM
Vorbereitung Elektro: KNX-Bus, KOAX, CAT6 500 DM
Tiefe Schalterdosen setzen, Blinddeckel: 50 DM
verlegen von 7x1,5 statt 3x1,5mm²-Kabel: 400 DM
Mehraderkabel zwischen den Hauptverteilern: 300 DM

Zusätzliche Kosten für Infrastruktur: 1.800 DM

Bei dieser Summe handelt es sich um reine Materialkosten und die Mehrkosten zu einer "Standardinstallation".
Schlitz- und Verlegearbeiten wurden in Eigenleistung erbracht. Diese Zusatzinstallation hat sich bereits mehrfach
ausgezahlt. Nicht nur bei der Installation neuer Techniken, sondern auch bei Renovierungsarbeiten.
Alle Arbeiten konnten bisher in den vorhandenen Schaltschränken, ohne zusätzliche Schlitzarbeiten, ausgeführt
werden. Weitere Schalter konnten problemlos in den "Blinddosen" nachträglich, ohne die Optik des Raumes durch
Stemmarbeiten zu verändern, eingebaut werden.
Es rechnet sich also durchaus, im Vorfeld mehr Gedanken in den Technikbereich zu investieren.

Etwas habe ich dann aber doch übersehen (ärgert mich bis heute):
Die Installation einer (zukünftigen?) Wärmepumpe wurde weder von den angesprochenen Heizungsfachfirmen,
noch einem hinzugezogenen TGA-Planer bzw. mir ins Auge gefasst. Warum der Einsatz einer WP nicht
diskutiert wurde, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Heute ist eine WP im engeren Auswahlfeld.
Damals war ein Bagger für Erdarbeiten vorhanden. Ein zusätzlicher Graben, für einen Grabenkollektor, wäre
absolut kein Problem gewesen. Diese, optimale, Chance haben wir leider verpasst.

Ich möchte es bei diesen Ausführungen erstmal belassen. Die Aufarbeitung der Historie war doch zeitintensiver als
gedacht. In meinen nächsten Ausführungen geht es dann um die einzelnen energetischen Maßnahmen.
Energiesparer26990
 
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PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen - 3.Update

Beitragvon Energiesparer26990 » Samstag 2. September 2017, 09:05

Austausch der Heizkörperthermostate, Hydraulischer Abgleich

Heizkörperthermostate
In unserem Haus sind insgesamt 12 Heizkörper eingebaut. Bisher waren nur einfache Thermostate installiert.
(Skala mit Zahlen von 1-5) Da an der vorhandenen Heizung keine Steuerung verbaut ist, sind die Thermostate an
den Heizkörpern die einzigste Eingriffsmöglichkeit. Offene Fenster ignorierten diese Thermostate. Ich hatte schon
längere Zeit nach Alternativen geschaut. Bei EBAY konnte ich zu einem Schnäppchenpreis 15 programmierbare
Thermostate für 20DM / Stück erwerben. Der eigentliche Verkaufspreis lag damals bei ca. 80DM / Stück.
Der günstige Preis war durch einen Materialüberhang bei einer Baumaßnahme möglich geworden.
Auch weil die 10 Thermostate in einer Auktion angeboten wurden. Gesamtpreis somit 300 DM (ohne Versandgebühren)
Die Geräte waren noch original verpackt. Die Garantiezeit war allerdings nur noch für 6 Monate gegeben. Die restliche
Zeit war bereits abgelaufen. Bei diesem Preis war mir das allerdings egal.
Bis auf einen Batteriewechsel funktionieren die Thermostate bis heute perfekt. Probleme bereiten eher die verbauten Ventile. Zum Beginn der Heizperiode müssen diese zum Teil gangbar gemacht werden.

Hydraulischer Abgleich
Im energetischen Gutachten wurde auch die Empfehlung für einen hydraulischen Abgleich gegeben. Ob der
Vorbesitzer, oder ein Heizungsfachbetrieb, einen Abgleich bisher durchgeführt hatte, war nicht bekannt.
Fließgeräusche sind im Heizungssystem keine aufgefallen. Allerdings hatten wir 2 Heizkörper in der obersten Etage
die nicht die Temperaturen an der Oberfläche wie die Heizkörper im EG erreichten. Dies deutete auf zu gering
durchströmte Heizkörper. Einstellbare Ventile waren keine verbaut. Der Vorbesitzer hatte jedoch Absperrventile
mit Feingewinde im Rücklauf der Heizkörper installiert. Einstellbare Ventile müssten erst beschafft und das
Heizsystem für den Einbau entleert werden. Diesen Weg beschritten wir nicht. Wir nahmen den Abgleich über die
Absperrventile vor. Nachteil: Der Abgleich dauerte wesentlich länger. Die Stellung der Einstellschraube (Umdrehungen
von der offenen oder geschlossenen Position) musste dokumentiert werden. Nur so ist sichergestellt, das bei einem
Schliesen der Absperrarmatur zu einem späteren Zeitpunkt wieder die beim Abgleich ermittelte Position eingestellt
werden kann. Dieser Fall ist nur 2 mal innerhalb der letzten 10 Jahre eingetreten.
(HK wurden zur Renovierung der Nische demontiert)


Ergebnis:
Die el. Thermostate schließen nun bei geöffnetem Fenster (Lüftung des Raumes) automatisch die Heizkörperventile.
Für jeden Raum wurde eine Nachtabsenkung programmiert.
Die beiden oberen Heizkörper werden nun, nach den vorgenommenen Einstellungen, warm. Fließgeräusche sind
im System weiterhin nicht aufgetreten. Bei den anderen Räumen wurden keine negativen Auswirkungen festgestellt.
Somit sollte der hydraulische Abgleich passen. Ob dieser von mir handwerklich korrekt ausgeführt wurde, kann ich
jedoch nicht bestätigen. Zwischenzeitlich gibt es im Internet jedoch einige Abhandlungen zu diesem Thema.
Nach diesen Schriften liege ich mit meiner Vorgehensweise nicht absolut daneben.

ToDo:
Austausch von 12 Heizkörperthermostaten; Programmierung einer Nachtabsenkung
In der Regel werden Thermostate nur "von Hand" angezogen. Somit kein Werkzeug notwendig.
Bei uns musste teilweise eine Zange zum Lösen der Überwurfmutter genommen werden.
Austausch erfolgte in Eigenleistung.
Aufwand mit Dokumentation und Programmierung: ca. 12h
Schwierigkeitsgrad: einfach

Hydraulischer Abgleich über Absperrventil im Rücklauf der Heizkörper
Als Hilfsmittel ist ein Schraubendreher notwendig
Abgleich erfolgte in Eigenleistung.
Aufwand mit Dokumentation: ca. 10h - verteilt über mehrere Wochen
Schwierigkeitsgrad: mittel

Kosten:
15 Thermostate für HK: 300 DM
Verbrauch vorher: 3200 Liter / a
Verbrauch nachher: 2900 Liter / a
Sicher konnte eine Einsparung von 300 Liter Öl nachgewiesen werden.

Mittlere Kosten für Heizöl ca. 0,75DM / L

Einsparung:
300L * 0,75DM = 225DM (ca. 115€/a) :D

Amortisierungsdauer: ca. 1 Jahr und 4 Monate

Beide Maßnahmen wurden zum gleichen Zeitpunkt umgesetzt. Deshalb ist eine verlässliche Zuordnung
der Einsparung zu einer Maßnahme nicht möglich.
Energiesparer26990
 
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PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen - 4.Update

Beitragvon Energiesparer26990 » Montag 18. September 2017, 13:26

Einbau Kachelofen sowie Holzofen im Werkstattbereich

Der Wunsch nach mehr Behaglichkeit wurde als nächster Schritt angegangen. Die "ältere" Generation
hatte schon immer von einem Kachelofen "geträumt". Ein Kachelofen ist für mich die Luxusvariante, wenn
man mit Holz heizen möchte. Behaglichkeit kann man auch mit einfachen Holzöfen erzeugen.
Die optimale gestalterische Einbindung des Ofens als "Wohnobjekt" ist jedoch mit einem Kachelofen
wesentlich besser zu erreichen. Diesen Luxus muss man dementsprechend auch bezahlen.
In unserem Fall mit einem 5-stelligen Betrag.
Wo das Holz "herkommt", machten wir uns am Anfang erst mal keine Gedanken.
Zum damaligen Zeitpunkt war das "Holzmachen im Wald" noch kein großes Problem. Die Preise für den
m³ haben sich noch bei 7€ für Weichholz und 15€ für Buchenholz bewegt. Wir hatten diese preisgünstige
Variante als Option im Blick. Kosten für den Holzerwerb beim Händler lagen so bei 50€ pro m³.
Beim Kauf des Ofens war natürlich das Thema "Heizen" auch auf der Tagesordnung.
Der Ofenbauer war optimistisch, das der Kachelofen 100m² locker beheizen könnte. Somit wäre auch eine
beträchtliche Einsparung beim Heizöl möglich. Der Heizungsbauer hat angeboten, einen Abgaswärmetauscher
mit zu integrieren. Dieser kann an das Heizungssystem angebunden werden. Gleichzeitig ist auch eine
elektronische Steuerung des Abbrandes notwendig. Wärmetauscher und el. Steuerung kosten normalerweise
ca. 3.500€. Beim Kauf des Ofens haben wir dieses Paket zum Preis von 800€ pauschal bekommen.

Auch beim Aufbau zeigte sich schnell ein Unterschied:
Der einfache Kaminofen war innerhalb eines Tages betriebsbereit. Der Aufbau des Kachelofens durch den
Ofenbauer dauerte knapp 7 Tage. Danach war eine mehrwöchige Austrocknungszeit der Züge,
vor dem ersten Abbrand, angesagt. Der Abgaswärmetauscher konnte am Anfang nicht angeschlossen werden,
da der Pufferspeicher noch nicht vorhanden war.

Ergebnis:
Der Kachelofen ist ein optischer Blickfang. Die Strahlungswärme ist klasse. Das kann man weder mit der Wärmeabgabe
eines Heizkörpers, noch mit einer Fußbodenheizung vergleichen. Überrascht waren wir über den Holzverbrauch.
Heizen mit einem Kachelofen will auch gelernt sein. Wir hatten in der Anfangsphase, bei beiden Holzöfen, einen
Verbrauch von über 20m³ Holz! Hier muß ich allerdings sagen, das hier Bauholz, Paletten usw. hauptsächlich
verbrannt wurden. An alte Paletten kam ich kostenlos dran. Die ersten 3 Jahre waren somit fast kostenloses heizen.
Die Wohnraumtemperaturen lagen zum Teil bei über 30°C. Die Temperaturregelung erfolgt über "Fenster auf - Fenster zu".
Heute liegen wir, bei täglichem heizen bei ca. 4m³ Holzverbrauch. Der Kachelofen wird, von Oktober bis ca. Mitte April,
1 x täglich angefeuert. Bei sehr kalten Minusgraden (ca. ab -5°C) wird 2 x pro Tag angefeuert. (morgens und abends)

Ein kleiner Wermutstropfen zum Energiesparkonto:
Es kann zwar 1 Zusatzheizung definiert werden, jedoch kann man nicht die einzelnen Öfen unterscheiden.
Ebenso gibt es keine Möglichkeit, die Brennwerte der einzelnen Holzsorten zu unterscheiden. Die Eingabe ist auch
in m³ oder kg. Leider wird so das Holz nicht geliefert. Das Holz wird vom Händler in der Regel als Schüttraummeter
geliefert. Deshalb ist der Verbrauch, wie ich diesen im Energiesparkonto angegeben habe, auch nur sehr vage geschätzt!
Ich bemühe hier noch immer seperate Excellisten. Anders ist eine vernüftige Auswertung nicht vorzunehmen.

Kosten:
Kachelofen: 10.500 €
Holzofen: 800 €
Invest WT: 800 €

Da der Kachelofen über den WT noch nicht an das Heizsystem angeschlossen war, konnte ich mehrere Versuche
zum Energiesparen durchführen. Interessant dabei war, das der Kachelofen in der Lage war, bei geöffneten Innentüren,
110m² zu beheizen. Einzig das Bad musste zugeheizt werden. Die Heizkörper der einzelnen Räume haben abgeregelt.
Obwohl nur das Bad mit Energie zu versorgen war, wurde kein nennenswerter Spareffekt beim Heizöl aufgetan. Dies ist scheinbar auf eine schlechte Heizungsregelung und Heizungshydraulik zurückzuführen.
Ein offener ToDo-Punkt für die Zukunft.
Interessant war auch, das einige Energieberater (ich hatte bisher 4) den Holzverbrauch des Kachelofens nicht als
Heizung werten! Wir haben hier die tollsten Berechnungen vorgelegt bekommen.
Weiteres hierzu bei späteren Ausführungen.
Energiesparer26990
 
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PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen - 5.Update

Beitragvon Energiesparer26990 » Dienstag 26. September 2017, 07:50

Austausch der Ölheizung

Die Daten der Öl-Heizung vor dem Umbau:
Firma: Strebel, Baujahr 1978, Gußkessel
Leistung: 28kW
Heizkreistemperatur: 60°C
Warmwassertemperatur: 60°C
Abgastemperatur: 190°C (gemäß letztem Protokoll des Schornsteinfegers)
kein Außentemperaturfühler
1 Heizkreis (Heizkörper)
Jährliche Wartung durch einen Fachbetrieb.

Wie so häufig im Leben, die reale Situation lässt manchmal nicht den notwendigen Spielraum für Entscheidungen.
Geplant war, mit Inbetriebnahme des zweiten Heizkreises (nur Fußbodenheizung) die Technik auszutauschen.
Die Technik war jedoch noch nicht entschieden. In der engeren Auswahl waren noch immer folgende Techniken:
1. Umstellung auf Gas
2. Umstellung auf Pellets
3. Wärmepumpe
4. Umstellung auf Holzheizung
Die reine Holzheizung ist aber schon gegenüber den anderen Varianten ins Hintertreffen geraten, da keine automatische
Brennstoffzufuhr vorhanden ist. Das noch so viele Varianten in der engeren Auswahl standen, ist auch folgenden Umständen zu verdanken:
1. Die vorhandenen 4 Kunststofftanks a 2000L für die Ölllagerung sind noch top in Ordnung.
2. Der Vorbesitzer des Hauses hat bereits einen Gasanschluß in das Haus legen lassen.

Der Schornsteinfeger kam uns nun zuvor und hat mit der Stillegung des alten Ölkessels "gedroht". Eine Fristverlängerung, bis zur Entscheidung der neuen Technik, wollte er uns nicht einräumen. Eine Schnellentscheidung zugunsten eines neuen Energieträgers wollten wir aber auch nicht machen. Der Schornsteinfeger kam uns entgegen und hat kostenfrei eine Inspektion des vorhandenen Kamins durchgeführt (mit Kamera). Das Ergebnis war für uns überraschend und erfreulich: Der Vorbesitzer des Hauses hatte bereits eine Kaminsanierung mit einem Innenrohr aus Edelstahl und einem Durchmesser von 140mm vorgenommen. Dies war uns nicht bewusst, da beim Kauf hiervon nichts erwähnt wurde.
Dies gab uns nun aber neuen Handlungsspielraum, denn ursprünglich hätte ja nicht nur die Technik ausgetauscht werden
müssen, sondern letztendlich evtl. auch eine, je nach Kessel, Kaminsanierung angestanden.
Angebote haben wir uns zu Gas- und Ölbrennwerttechnik sowie Ölniedertemperaturkessel eingeholt.
Diese Angebote umfassten nur die Erneuerung des Ölkessels sowie eine evtl. notwendige Kaminsanierung und Kondensat-
Entsorgung. Es waren noch keine Umbaukosten für einen weiteren Heizkreis enthalten. Der Hersteller der Heizung war uns
letztlich egal, da zwischenzeitlich alle namhaften Firmen eine gute Qualität liefern. Da aber auch ein gutes Gerät irgendwann
mal defekt wird, war uns wichtig, das für die angebotenen Geräte im näheren Umkreis eine Firma ist, die die Wartung und
Reparatur ausführen kann.

Angebote: (billigste)
Ölbrennwertheizung: 12.000 € (incl. Kaminsanierung und Kondensatentsorgung, el. Anschlußkosten nicht gerechnet)
Gasbrennwertheizung: 8.000 € (incl. incl. Kaminsanierung und Kondensatentsorgung, el. Anschlußkosten nicht gerechnet)
Öl-Niedertemperaturkessel: 5000 € (incl. Anpassungsarbeiten für Vor- und Rücklaufleitung)
Alle Geräte hatten nur eine Steuerung für 1 Heizkreis!

Ergebnis:
Die Kosten in den Angeboten überraschten uns. Bei der Umrüstung einer "alten Heiztechnik" sind auch die anfallenden
Nebenkosten, wie z.B. Anschlußkosten, Kaminsanierung, Kondensatentsorgung usw. ein wesentlicher Kostentreiber.
Also nicht nur Preise für Gerätekosten einholen. Das ist max. die halbe Miete. Wichtig ist auch, sich nicht von den Verkaufsprofis blenden zu lassen. Jeder hat das "beste Gerät" im Angebot. Die Unterschiede zu anderen, vielleicht besseren Alternativen, wird oftmals verschwiegen. Das Angebotsergebnis bestätigte letztlich unsere bisherige Vorgehensweise: Eine noch gute, funktionale alte Technik rechnet sich oftmals nicht, wenn man diese vorzeitig austauscht. Nur mit Subventionen sind einigermaßen vernünftige Amortisierungszeiten zu erreichen. Wir entschieden uns deshalb für eine andere Option. Warum nicht ein gebrauchtes Gerät einbauen? Niedertemperaturtechnik war noch nicht "verboten". Viele rüsten ihre Heizung auf Brennwerttechnik um. Da sollte der Gebrauchtmarkt gut versorgt sein. Man gewinnt Zeit, um die geeignete Technik in Ruhe aussuchen zu können.
Nachteile:
1. Transport- und Einbringung müssen geklärt werden
2. Finden eines Handwerkers, der das Gerät anschließt. Da Handwerksbetriebe eine Mischkalkulation vornehmen, findet
man nur schwer einen Betrieb, der ein vorhandenes Gerät einbaut.
3. Gebrauchte Geräte haben oftmals nicht die gewünschte (benötigte) Ausstattung
Vorteile:
1. Kosten
Von den Nachteilen haben wir uns nicht beeinflussen lassen und gingen auf die Suche. In EBAY wurden wir fündig.
Ein Waldbesitzer hat sein Haus von Öl- auf Holzheizung umgestellt. Der Ölkessel war zwar 8 Jahre alt, hatte aber
nur wenige Betriebsstunden. Die Wartung konnte lückenlos nachgewiesen werden und ein Fachbetrieb hat das Gerät
ausgebaut und ordnungsgemäß eingelagert. Verwundert war ich, das für so ein Topgerät nur wenige Bieter bei
EBAY waren und ich den Zuschlag für 800€ bekam. Zusätzlich war auch noch die komplette Pumpenstation und ein
Ausgleichsgefäß dabei. Die Pumpenstation sparte weitere 300€ für den 2. Heizkreis.

Die Daten unserer "neuen" Öl-Heizung:
Firma: Buderus G115, Baujahr 1995, Öl-Niedertemperatur; Gußkessel, theoretischer Wirkungsgrad: 96%
Leistung: 21kW
Heizkreistemperatur: gleitend
Warmwassertemperatur: 60 °C
Abgastemperatur: 130°C (gemäß letztem Protokoll des Schornsteinfegers)
Außentemperaturfühler
1 Heizkreis (Heizkörper)
1 Heizkreis für Fußbodenheizung (vorgesehen)

ToDo:
Gerät abholen: Anhänger wurde von Freund ausgeliehen. Die Abholung wurde gleich mit einem schönen Tagesausflug
kombiniert.
Altes Gerät ausbauen: Eigenleistung
Neue Geräte in den Keller einbringen: Nachbarn und Freunde aus dem Verein waren sehr gerne behilflich.
Gerät anschließen (Rohre): Ein Arbeitskollege, der seine Heizung im Haus selbst einbaute, unterstützte.
Gerät elektrisch anschließen: Eigenleistung
Steuerung einbauen und programmieren: Eigenleistung
Altes Gerät entsorgen: Schrotthändler (Anmerkung: da Metallpreise sehr hoch, hat dieser auch die Entsorgung des
Isoliermaterials kostenfrei übernommen)

Aufwand:
1. Gerät abholen: 1 Tag
2. altes Gerät ausbauen (incl. Heizungsentleerung): 4 h
3. Neue Geräte einbringen: 4 h
4. Geräte mit Rohre anschließen: 10 h
5. Geräte el. anschließen: 8 h
6. Steuerung programmieren: 4 h - verteilt über mehrere Tage

Schwierigkeitsgrad(e):
Punkte 1 - 3: einfach (kann jeder)
Punkte 4 - 6: schwierig - Spezialkenntnisse erforderlich

Kosten:
Niedertemperatur Ölkessel Buderus G115: 800 €
Benzinkosten für Abholung Kessel: 60 €
Pufferspeicher, 800L: 850 €
Material für 2. Heizkreis, Puffer usw.: 200 €
Honeywell-Steuerung: 90 €
Einsparung Wartungsvertrag: - 140 €
Invest: 1.860 €

Verbrauch vorher: 2900 Liter / a
Verbrauch nachher: 2200 Liter / a
Sicher konnte eine Einsparung von 700 Liter Öl nachgewiesen werden.

Mittlere Kosten für Heizöl ca. 0,67€ / L

Einsparung:
700L * 0,67€ = 469€/a

Amortisation = Invest : Einsparung = 1.860€ : 469€ = 3,966 :mrgreen:

Amortisierungsdauer: ca. 4 Jahre

Amortisierungsdauer bei neuer Technik: ca. 13 Jahre
Hier ist noch zu berücksichtigen, das die neue Steuerung und der Pufferspeicher zum Teil auch gebraucht gekauft und ein
Teil der Leistungen selbst erbracht wurde. Die Amortisierung liegt, bei neuen Komponenten und Kauf beim Fachhändler, realistischer bei min. 17 Jahren. :(


Vorläufiges Fazit

Der gebrauchte Ölkessel läuft auch noch nach 12 Jahren absolut problemlos. Eigentlich wollten wir schon schneller auf
eine neue Technik umsatteln. Die sehr guten Leistungswerte des bisherigen Energieerzeugers haben uns jedoch davon
abgehalten. Mit relativ geringen Mitteln haben wir auch gleich die Infrastruktur zur Einbindung des Kachelofens und einer
thermischen Solaranlage vorgesehen. Wir haben uns bewusst für die Einbindung eines Pufferspeichers entschieden. Obwohl
zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, ob wir jemals eine Solarthermieanlage kaufen werden. Der Pufferspeicher hat jedoch die
Möglichkeit geboten, den Ölkessel, trotz Leistungsüberdimensionierung, länger laufen zu lassen (in der Regel min. 30 Minuten bei jedem Start) Dies hat die Anzahl der Starts erheblich reduziert und der Ölkessel hat es uns durch einen niedrigen
Verbrauch zurückgezahlt. Ebenso konnten wir auf die Wartung gänzlich verzichten. Durch die langen Laufzeiten hat der
Ölkessel einen fast rückstandslosen Abbrand. Der Schornsteinfeger war jedes Jahr aufs Neue über die guten Leistungswerte
und die Sauberkeit des Kessels überrascht. Er sprach mir ein Lob für die "gute Wartung" der Anlage aus. Ich musste ihm
mitteilen, das der Kessel gar nicht gewartet wird! Ich habe 2014 zum ersten Mal den Kessel gereinigt. Dabei war nur eine kleine Menge an Schmutz angefallen. Ansonsten kontrolliere ich jedes Jahr 2 x in der Heizperiode den Brennraum auf Schmutz. Wir sind damit bewusst einen anderen Weg, als in einschlägigen Internetforen empfohlen wird, gegangen.
Die meisten reduzieren die Kesselleistung auf das absolute Minimum, bauen keine Raumthermostate ein und versuchen somit, eine lange Brennerlaufzeit pro Start zu erreichen. Man verbaut sich damit aber die Chance, langfristig erneuerbare Energien preisgünstig einbinden zu können. Die Einbindung des Pufferspeichers zeigt, das sich dieser auch rechnen wird.
Ich habe sogar eine teure Variante des Speichers gewählt. Pufferspeicher mit Solarwärmetauscher waren auch bereits für die Hälfte des Preises zu bekommen. Die Amortisationszeit wäre dadurch nochmals kürzer gewesen.
Ein gebraucht gekauftes Gerät hat in der Regel nicht die Ausstattung die man unter Umständen benötigt. Da ein 2. Heizkreis
eingebunden werden sollte, haben wir in Fachgeschäften nachgefragt, welche Möglichkeiten es gibt. Für den Buderuskessel
gab es unterschiedliche Steuerungen. Die Kosten, die vorhandene Steuerung nachträglich zu erweitern, haben uns aber
auch hier auf dem Gebrauchtmarkt umsehen lassen. Nicht nur die hohen Kosten einer solchen Original-Steckkarte war
auffällig. Diese Steuerkarten haben, gegenüber externen Steuerungen, meistens auch einen geringen Funktionsumfang.
Deshalb kaufte ich auch hier eine hochwertige Honeywell-Steuerung bei EBAY.
Problem nun, das kein Fachhändler bei der anstehenden Programmierung und Inbetriebnahme unterstützen wollte.
Die Hersteller hochwertiger Steuerungen bieten jedoch einen ausgezeichneten Support. So war es auch bei Honeywell.
Ein Techniker führte mich Punkt für Punkt durch das Menü der Steuerung. So konnte ich auch, ohne spezielle
Heizungskenntnisse, relativ einfach die Heizung wieder in Funktion setzen.
Diese positiven Erfahrungen habe ich auch bei anderen Firmen gemacht. Diese Hilfsbereitschaft zeichnet auch eine gute
Firma aus. Denn, auch ein Markengerät kann defekt werden.
Die Hydraulik im Heizungskeller wurde nur soweit angepasst, wie es für die Einbindung des 2. Heizkreises und des
Pufferspeichers notwendig war. Nur diesen geringen Umbauschritt zu machen, hat bisher weiteres Energiesparen
zu Nichte gemacht. Dazu aber in weiteren, späteren, Ergänzungen mehr.

Nach Einbau des Ölkessels und des Pufferspeichers hatte ich auch einige Monate Zeit, die Einsparung zu beobachten.
Nur mit einer lückenlosen Dokumentation kann letztlich eine Einsparung vernünftig nachgewiesen werden. Da 2 Maßnahmen
gleichzeitig durchgeführt wurden (Niedertemperaturheizkessel und lange Brennerlaufzeiten) kann nicht auf den letzten
Liter genau die Einsparung zugewiesen werden. Hier hätte ich einen großen Aufwand betreiben müssen, um eine genaue
Zuordnung vorzunehmen.
Durch die gewonnen Erkenntnisse kann ich jedoch ca. 2/3 der Einsparung den längeren Brennerlaufzeiten zuordnen.
Des macht den Austausch eines funktionierenden Altgerätes noch unrentabler.
Längere Brennerlaufzeiten können auch durch den Einbau kleinerer Düsen erreicht werden. Dies ist bei unserem Modell
leider nicht möglich. Ich könnte nur den Brenner tauschen. Statt 21kW kann an diesem Modell noch ein 17kW-Brenner
installiert werden. Ein Neukauf des Brenners wird jedoch nicht durch die Einsparung an Öl zu amortisieren sein.
Energiesparer26990
 
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Beitragvon Energiesparer26990 » Montag 2. Oktober 2017, 08:48

Isolierung des Gebäudes

2006 war es endlich soweit. Die Fassade wurde renoviert. Nicht nur energetisch ein wichtiger Schritt, sondern auch für die Optik des Hauses sehr wichtig. Wir haben uns bis zur Umsetzung dieser Maßnahme bewusst viel Zeit gelassen. Wir haben zu allen nur erdenklichen Varianten uns nicht nur Informationen beschafft, sondern auch Angebote unterschiedlicher Firmen eingeholt. Zur Gebäudedämmung gibt es ja hinreichend Berichte in unterschiedlichen Foren usw. Für uns war ein wichtiger Punkt ausschlaggebend: Die vorhandene Gebäudesubstanz war nur mit 24er Mauerwerk ausgeführt. Hauptsächlich auf der Nordseite des Gebäudes konnte man sich nicht im Innern im Bereich der Außenwand aufhalten, da ein sehr unangenehmes Kälteempfinden vorlag. Deshalb haben wir uns, trotz vieler negativer Berichte, für eine Isolierung des Gebäudes entschieden. Da eine Renovierung der Außenfasade eh angestanden hat, wurde die Dämmung in diesem Zuge mit aufgebracht. Um die für uns beste und günstigste Technik zu finden, haben wir zusätzlich folgende Möglichkeiten genutzt:
1. Direkte Gespräche mit den Spezialisten der in Frage kommenden Firmen suchen. Hier haben wir wesentlich bessere Infos als bei den Verkäufern bekommen.
2. Besichtigung von Häusern der Referenzkunden. Dies hat mit die besten Ergebnisse gebracht. Ich habe wirklich sehr gute Gespräche mit den Eigentümern führen können. Vom Aufwand bei der Montage, über das vorliegende Ergebnis der Auftragsabwicklung, bis zur Energieeinsparung wurde alles angesprochen und es wurde sich auch von Seiten der Eigentümer Zeit gelassen, meine Fragen zu beantworten.

Ergebnis:
Wir haben uns letztlich für ein WDSV-System entschieden. Gedämmt haben wir mit 10cm Neopor. Wir haben bewusst nicht auf das günstigste Angebot zurückgegriffen, sondern gemäß unserer Besichtigungen und Informationen zu den einzelnen Firmen unsere Entscheidung getroffen. Wir sind bis heute absolut zufrieden und würden die Dämmung, auch an einem anderen Gebäude, wieder durchführen lassen. Entscheidend für die Einsparung ist die energetisch korrekte Umsetzung der Maßnahme. Bei unseren Besichtigungen haben wir so manchen Misserfolg in dieser Richtung begutachten können.
Aus reiner Kostensicht betrachtet, rechnet sich eine Fassadendämmung nicht! Das reine Dämmmaterial ist oftmals gar nicht so teuer. Die Nebenkosten, wie z.B. korrekte Dämmung der Fensterlaibungen, Austausch der Fensterbretter, Neumontage und Anpassung der Regenfallrohre vom Dach, evtl. Anpassung des Dachüberstandes usw. sind ein wesentlicher Kostentreiber.
Wenn man, wie von vielen Energieberatern usw. empfohlen, eine noch intakte Gebäudehülle isoliert, ist aus Kostensicht eine Amortisierung der Maßnahme nicht gegeben! Energiesparen kann auch über andere Maßnahmen erfolgen. Ich habe bei meinen guten Gesprächen mit verschiedenen Eigentümern Lösungen entdeckt, bei denen auch ohne Isolierung des Gebäudes eine Energieeinsparung von bis zu 80% gelungen ist.

ToDo:
Fensterlaibungen Verputz abschlagen: Eigenleistung
alte Fensterbretter ausbauen: Eigenleistung
Anbringen WDSV-System: Firmenleistung
Anbringen und anpassen Regenfallrohre: Klempner
Setzen der neuen Fensterbretter: Firmenleistung

Info: Eine Anpassung des Dachüberstandes war in unserem Falle nicht notwendig.

Kosten:
Dämmung, Regenfallrohre, Fensterbetter: 9.000 € (letztlich der Invest für die reinen Energiesparmaßnahmen)
Gesamtsumme 22.500 € (Gerüstkosten, Verputz, Farbe usw. hierin enthalten)

Verbrauch vorher: 2200 Liter / a
Mehrung Anbau: + 1300 Liter / a
Verbrauch nachher: 2700 Liter / a
Sicher konnte eine Einsparung von 800 Liter Öl nachgewiesen werden.

Mittlere Kosten für Heizöl ca. 0,70€ / L

Einsparung:
800L * 0,70€ = 560€/a

Amortisation = Invest : Einsparung = 9.000€ : 560€ = 16,07

Amortisierungsdauer: ca. 16 Jahre

Amortisierungsdauer bei kompletten Sanierungskosten der Fassade: ca. 40 Jahre! (22.500€) :(

Vorläufiges Fazit
Selbst mit den reinen Investkosten der Dämmmaßnahmen ist eine Amortisationszeit innerhalb von 10 Jahren, bei Fremdleistung, nicht erreichbar. Trotzdem hat sich die Maßnahme für uns gerechnet. Das Wohngefühl wurde erheblich gesteigert. Da keine Renovierung von Räumlichkeiten angestanden hat, haben wir auch keine Umbauten an den Rolläden vorgenommen. Deshalb kann die Einsparung des Öls auch komplett der Dämmmaßnahme zugeordnet werden.
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PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen - 7.Update

Beitragvon Energiesparer26990 » Samstag 14. Oktober 2017, 08:50

Installation Solarthermie

2008 gingen wir das Thema Solarthermie an. Die notwendigen Vorbereitungen, wie den Einbau eines Pufferspeichers, die notwendigen Solarleitungen vom Keller bis zum Dach, waren bereits bei anderen Maßnahmen mit umgesetzt worden. Zum damaligen Zeitpunkt habe ich mich für Solarthermie interessiert, war jedoch noch ein vollkommener Laie auf diesem Gebiet. Die Informationsquellen im Internet sind reichlich. Ebenso die Warnungen, das Solarthermie sich eigentlich nicht rechnet. Es gibt auch unzählige Abhandlungen zum Thema Flachkollektor oder Röhrenkollektor. Der Fachhandel überbietet sich mit allen erdenklichen Leistungsparametern zu den verschiedenen Kollektorbauarten. So richtig schlau wird man als Laie daraus nicht. Mit viel Optimismus wurden die ersten Angebote eingeholt. Vorgabe war: Es sollte eine Anlage mit Heizungsunterstützung installiert werden. Im Idealfall deckt die Anlage während der Sommermonate von Mai bis Oktober den kompletten Bedarf an Warmwasser. Nach verschiedenen Gesprächen, die wir mit Kollegen, Freunden usw. geführt hatten, war uns klar, das eine Anlage nur für Warmwasser sich in der Regel nicht rechnen wird. Die Kosten standen in keinem Verhältnis zur Ersparnis beim Öl- oder Gasverbrauch. Es sollte bei uns deshalb eine Anlage mit Heizungsunterstützung installiert werden. Diese Anlagen fangen bei ca. 10m² installierter Fläche an. Die Größe der Anlage konnte der angefragte Fachbetrieb selbst bestimmen. Eine Förderung durch die Kfw oder Bafa wurde ins Auge gefasst, war aber keine Bedingung. Das bereits ein Pufferspeicher mit Solarwärmetauscher und eine Steigleitung vorhanden ist, hatten wir im ersten Durchlauf der Angebote nicht erwähnt. Wir wollten einfach sehen, ob es zwischenzeitlich bessere technische Lösungen gibt.

Ergebnis:
Die eintreffenden "Lösungen" in den Angeboten beinhalteten nur einen üblichen "Standardaufbau". Darunter ist ein untenliegender Wärmetauscher in einem Pufferspeicher sowie die Kollektoren und die notwendige Pumpenstation mit Ausgleichsgefäß usw. zu verstehen. Innovative Konzepte, gerade weil auch Heizungsunterstützung angefragt wurde, Fehlanzeige! Ein Einsparpotential der Anlagen wurde in den Angeboten nicht hinterlegt. Auch nach nochmaliger Rücksprache mit den jeweiligen Firmen, konnten diese (oder wollten diese) keine Einsparung der Anlagen nennen. Somit war es zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich, eine Entscheidung zu einem Invest in eine Solarthermieanlage zu treffen. Ich bin damals, aus meiner Sicht konservativ betrachtet, von einer Einsparung von ca. 500L Heizöl ausgegangen. Mit diesem Ansatz konnte keine angebotene Anlage den Reinvest innerhalb von 10 Jahren erreichen. Im zweiten Angebotsdurchlauf hatten wir dann mitgeteilt, das bereits ein Pufferspeicher mit 800 Litern und Solarwärmetauscher sowie die Steigleitungen vom Keller zum Dach vorhanden sind. Wir sind nun auch von der Reinvestspanne von 10 Jahren abgerückt. Geblieben ist unsere Forderung, das die Solarthermieanlage von Mai bis Oktober das Warmwasser sowie eine vermutlich minimale Zuheizung schaffen sollte. Wir bekamen zwar korrigierte Angebote, jedoch häuften sich nun die "Warnhinweise". Infos wie "Eine so große Anlage über 10m² rechnet sich nicht bzw. benötigt man nicht", bis zu "für Heizungsunterstützung benötigen sie eine große Fläche. Wo soll denn die große Energiemenge im Sommer hin", war alles vertreten. Warum eine Fachfirma, die angeblich schon mehr als 100 Solarthermieanlagen aufgebaut hat, für solche Fragen keine Antwort findet, ist uns bis heute ein Rätsel. Entmutigen lassen wollte ich mich nicht. Da wir schon mit einem gebrauchten Ölkessel super Erfahrungen sammeln konnten, war dies nun auch hier unser Ansatz. Zeit zum Umschauen hatten wir genug, da ja die Heizanlage funktionierte. Solarthermie also nur eine "Zugabe" ist. Nach langer Suche fanden wir eine Anlage, die zumindest aus Kollektoren, Pumpenstation, Ausgleichsgefäß und Wärmeträgerflüssigkeit bestanden hat. Die Anlage kam aus einer Konkursmasse. Eine Bafa-Förderung wurde nicht beantragt. Die Anlage war mit 6 Kollektoren größer als ursprünglich geplant. Da keine Leistungsdaten der Kollektoren vorhanden waren, zählte hier eher das Prinzip: "1 Kollektor mehr schadet nichts und kann evtl. die Minderleistung des "No-Name-Produktes" ausgleichen. Schwieriger wurde es bei der Beschaffung der Steuerung. Wir hatten schon bei der Heizung gesehen, das eine Hochrüstung einer vorhandenen Steuerung des Kessels sehr teuer, und letztlich mit nur wenigen Funktionen, eigentlich keine brauchbare Lösung darstellt. Bei EBAY ist mir damals eine Steuerung einer Firma aus Österreich ins Auge gefallen. Bei dieser Steuerung war eigentlich alles vorhanden was benötigt wird. Preiswert war sie auch. Jedoch, da keine ausreichenden Kenntnisse meinerseits vorhanden war, überwog die Skepsis diese Steuerung zu kaufen. Vergleichbare Produkte in dem angebotenen Umfang waren auf dem Markt nicht zu finden. Angebote zu Steuerungen kosteten das 5-8 fache des Preises der Steuerung aus dem Internet. Bei Nachfragen beim Fachhandel war diese Firma nicht bekannt. Es konnte somit fachlich nicht unterstützt werden. Deshalb musste der Aufbau der Kollektoren noch warten und ich habe nun konkret nach Informationen zu dieser Steuerung gesucht. Bei der Steuerung handelte es sich um die UVR1611 der Firma TA. Von der Homepage habe ich mir alle Informationen heruntergeladen. Zusätzlich recherchierte ich im Internet nach Adressen zu Solarthermie. So wurde ich auf den Solarverein Trier aufmerksam. Auf deren Homepage werden sogar Seminare zur Programmierung der Steuerung für eine Heizung- und Solaranlage angeboten. Deshalb habe ich mich zum Kauf der Steuerung entschlossen.

Die Daten unserer Solarthermie-Anlage:
Firma: unbekannt (vermutlich polnischer Hersteller)
Kollektoren: 6 Stück Flachkollektoren, Baujahr nicht bekannt
Aufstellwinkel: 45°
Bruttofläche: 13,26 m² (6 x 2,21 m²)
Ausrichtung: Süd-Ost

ToDo:
Kollektoren auf Dach montieren: Dachdecker
Solarleitungen anschließen, Fühlermontage: Handwerker
Geräte elektrisch anschließen: Eigenleistung
Steuerung einbauen und programmieren: Eigenleistung

Aufwand:
1. Kollektoren montieren: 6 h
2. Solarleitung anschließen, Anlage befüllen usw.: 8 h
3. Geräte el. anschließen: 8 h
4. Steuerung programmieren: 16 h - verteilt über mehrere Wochen, incl. Seminar für Steuerung

Schwierigkeitsgrad(e):
Punkte 1 - 4: schwierig - Spezialkenntnisse erforderlich

Kosten:
6 Stück Flachkollektoren: 1.200 €
Dachmontage: 400 €
Anschluss incl. Material: 600 €
Steuerung: 220 €
Elektroanschluss: Eigenleistung
Programmierung Steuerung: Eigenleistung
Invest: 2.420 €

Verbrauch vorher: 2700 Liter / a
Verbrauch nachher: 2300 Liter / a
Sicher konnte eine Einsparung von 400 Liter Öl nachgewiesen werden.

Mittlere Kosten für Heizöl ca. 0,75€ / L

Einsparung:
400L * 0,75€ = 300€/a

Amortisation = Invest : Einsparung = 2.420€ : 300€ = 8,066

Amortisierungsdauer: ca. 8 Jahre

Die Amortisierungsdauer bei den Angeboten lag im günstigsten Fall bei ca. 24 Jahre. Im Mittel bei 30 bis 40 Jahren.
(ohne BAFA)

Vorläufiges Fazit
Mit dem Kauf der Anlage gingen wir bewusst ein Risiko ein. Garantie war keine vorhanden, BAFA-Mittel waren nicht möglich. Der Invest von ca. 2.500€ war mir jedoch das Risiko wert. Der Kauf der frei programmierbaren Steuerung UVR 1611 hat sich im Nachhinein als "Glücksgriff" erwiesen. Mit dieser Steuerung war es, ist es, möglich, umfangreiche Auswertungen vorzunehmen. Dies habe ich in den darauffolgenden Jahren auch genutzt. Ich habe mit der nun vorhandenen Anlage verschiedene Einstellungen vorgenommen. Die Ersparnisse waren erstmals nur ein Zubrod. Ich wollte letztlich selbst Erkenntnisse sammeln, in wie weit Solarthermie auch in einem Bestandsgebäude sinnvoll eingesetzt werden kann. Geholfen hat mir dabei u.a. auch der Solarverein Trier, der Beratungen zu diesem Thema anbietet. Außerdem habe ich den Rat von Experten gesucht. (= "keine Handwerksbetriebe!") Mein Grundlagenwissen habe ich schrittweise ausgebaut. Besichtigungen von bereits installierten Anlagen unterstützten das in der Theorie erlernte Wissen. Leider verfestigten Sie mein Bild von der schlechten Beratung, sofern man das überhaupt "Beratung" nennen darf, des Handwerkes. Die aufgedeckten Probleme der eigenen Anlage erschienen plötzlich plausibel. Ärgern tue ich mich bis heute, das man als Laie letztlich hier den "Fachleuten" erstmal blind ausgeliefert ist. Obwohl meine Anlage "schlecht installiert" ist, gibt diese ein trotzdem ein "positives Bild" ab. Die Anlage rechnete sich innerhalb von 10 Jahren. Allerdings nur, weil diese "gebraucht" erworben wurde. Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Mit dem Wissen von heute kann ich jedoch behaupten, das mit den richtigen Ratschlägen vor dem Erwerb der Anlage, wesentlich mehr Einsparung zu erreichen gewesen wäre. Die Überwachung der Anlage durch Dokumentation war auch hier ein wichtiger Baustein. Als Laie freut man sich, wenn die Anlage Energie liefert. Wie gut die Anlage letztlich wirklich funktioniert, kann nur durch Beobachtung und Dokumentation über einen längeren Zeitraum nachgewiesen werden. Hier unterstützt die UVR1611 mit ihren Funktionen.
Die Anlage selbst schaffte zumindest das geforderte Ziel, das Warmwasser im Bereich Mai bis Ende Oktober zur Verfügung zu stellen. Heizungsunterstützung war bisher nur in sehr bescheidenem Umfang möglich. Grund ist die schlechte hydraulische Einbindung einer "Standardinstallation" mit einem untenliegenden Wärmetauscher. Auch nachteilig ist, das im Winter die Sockeltemperatur im unteren Speicher in der Regel bei über 25 °C liegt. Da tut sich selbst ein sonnenreicher Wintertag sehr schwer, Energie in den Speicher einzubringen. Auch die Regelung ist ein wichtiger Punkt, um weitere Energieeinsparung zu erzielen. Der Speicher mit 800L hat sich als zu klein dargestellt. Eine Stagnation der Anlage wurde im Sommer 2x beobachtet. Ich habe mir zwischenzeitlich einige innovative Konzepte von Firmen angeschaut. Hierzu werde ich weitere Anmerkungen in meinen nächsten Berichten, u.a. zum aktuellen Stand heute, und dem weiteren Vorgehen geben.
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Re: PLZ 6 - Doppelhaus - energetische Maßnahmen

Beitragvon Axel Horn » Sonntag 15. Oktober 2017, 21:42

Danke für den hochinteressanten Beitrag zur Eigenbau-Solarthermieanlage! Ich freue mich, dass hier jemand sehr positive Erfahrungen schildert. Dafür war offensichtlich entscheidend, dass eine gute Solarregelung (hier TA UVR 1611) eine genaue Überwachung der Anlagenfunktion ermöglicht.

Nun hat aber nicht jeder die Muße und das technische Verständnis, das alles selber zu installieren. Wer sich die Sonnenkollektoranlage von einer Fachfirma bauen lässt, der sollte nicht an einem Solar-Wärmemengenzähler sparen und nach Möglichkeit die Solarregelung an den Router im Haus koppeln, so dass eine Überwachung der Anlagenfunktion möglich ist, ohne jedesmal in den Keller gehen zu müssen. Entsprechende Hardware gibt es nicht nur bei TA, sondern z. B. auch von RESOL.

Der Pufferspeicher ist bei der hier beschriebenen Anlage mit 800 Liter tatsächlich recht klein gegenüber der Kollektorfläche (13,26 m² Bruttofläche). Wer checken will, ob die Dimensionierung von Kollektorfläche und Speichervolumen zueinander passt, der kann dafür die Tabellenkalkulation "Solarwärme-Checker" verwenden - siehe Datei im Anhang.

Der materialverschleißende Stagnationsbetrieb im Hochsommer lässt sich aber auch mit einem etwas unterdimensionierten Speicher meistens vermeiden, wenn man eine Rückkühlung überschüssiger Solarwärme in den Kollektor laufen lässt. Die meisten aktuellen Solarregelungen unterstützen so eine Funktion, und auch der UVR 1611 lässt sich bestimmt entsprechend programmieren.
Dateianhänge
Solarwaerme-Checker_Version_1_0_xls.zip
(144.61 KiB) 13-mal heruntergeladen
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
http://www.ahornsolar.de
Axel Horn
 
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