Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

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Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

Beitragvon Axel Horn » Montag 8. Februar 2016, 20:05

Nach den Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt vom 11. März 2015 gibt es einen Kombinationsbonus bis zu 500 EUR je Anlagenkombination beim gleichzeitigen Anschluss der Solarkollektoranlage an ein Wärmenetz. Allerdings nennt das Formular des Förderantrags abweichend von den Richtlinien eine zusätzliche Bedingung: "Sie versorgt außer dem Gebäude des Anlagenbetreibers/Antragstellers mindestens ein weiteres Gebäude mit Wärme."

Aber welche Wärmeübergabestation ist schon für eine Einspeisung von Solarwärme ins Netz geeignet? Damit ist der Kombinationsbonus in der Praxis bis auf wenige Ausnahmen nur für die gleichzeitige Installation eines neuen Kessel oder einer Wärmepumpe nutzbar.

Vielleicht handelt es sich bei dem Satz im Förderantrag nur einen Verschreiber? Denn natürlich muss definiert sein, was ein Wärmenetz ist. So formuliert bekommt der Nachsatz einen Sinn: "Dieses Wärmenetz versorgt außer dem Gebäude des Anlagenbetreibers/ Antragstellers mindestens ein weiteres Gebäude mit Wärme."

Eine ausführliche Darstellung der Thematik findet sich in dieser Präsentation: http://www.ahornsolar.de/bins/Solarther ... enetze.pdf

Ich hoffe, dass sich diese Einschätzung bis zu den zuständigen Stellen im Ministerium herumspricht. Vielleicht können ja diejenigen hier im Forum mithelfen, bei denen eine entsprechende Installation gerade geplant ist.
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Re: Solarthermie, Wärmenetze und der BAFA Kombinationsbonus

Beitragvon Axel Horn » Samstag 19. März 2016, 22:24

Das BAFA antwortete dem Bundesverband Solarwirtschaft zu dieser Thematik folgendes:

"Idealerweise wird die Sonnenkollektoranlage an ein richtiges Nahwärmenetz angeschlossen und stellt damit mittelbar anderen Gebäuden Wärme zur Verfügung. Hierfür ist der Wärmenetzbonus eigentlich gedacht.
Als Ausnahme akzeptiert das BAFA aber auch die unmittelbare Bereitstellung der erzeugten Wärme für mindestens ein weiteres Gebäude. Das ist unsere Mindestanforderung für die Gewährung des Wärmenetzbonus.
Es ist ein Missverständnis, dass wir nur bei Erfüllung dieser Mindestanforderung den Wärmenetzbonus gewähren. Selbstverständlich wird er für den Anschluss an ein richtiges Wärmenetz gewährt."

Im Klartext: wenn es sich um ein kleines Wärmenetz von wenigen Häusern handelt, dann muss die Solarthermieanlage die produzierte Wärme- ggf. nach Abzug des Eigenverbrauchs im Gebäude, auf dem sie installiert ist - in das Wärmenetz abgeben.

Bei großen Wärmenetzen genügt es, wenn die dezentral installierte Solarthermieanlage den Energieverbrauch aus dem Wärmenetz reduziert, was vom BAFA als mittelbare Wärmelieferung an die anderen Verbraucher im Wärmenetz angesehen wird.

Es gibt Wärmenetzbetreiber, die sich - wie früher die Stromversorgungsunternehmen bei der Photovoltaik - dagegen sträuben, wenn dezentrale Solaranlagen den Energieverkauf im Sommer ausbremsen. Das ist jedoch zu kurz gedacht. Solare Kombianlagen mit Pufferspeicher benötigen zwar weniger Energie aus dem Wärmenetz, haben aber deutlich niedrigere Rücklauftemperaturen bei der Trinkwassererwärmung und ersparen an vielen Tagen des Jahres dem Netzbetreiber die Temperaturhaltung in der Anschlussleitung zum Gebäude. Solare Volldeckung des Wärmebedarfs leistet es, Wärmeverluste in Höhe von rund 2 kWh/Tag pro 10 m Anschlussleitung zu vermeiden. Diese Einsparung kommt voll dem Netzbetreiber zugute.
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