Solarthermie nutzen im Herbst

Nur Warmwasserbereitung oder Warmwasserbereitung und Heizung? Was sind Eure Erfahrungen mit Thermosolaranlagen? Wer hat Tipps zur Umsetzung?

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Solarthermie nutzen im Herbst

Beitragvon Axel Horn » Mittwoch 16. September 2015, 07:32

Es ist Herbst, die Tage werden kürzer, und die Sonnenkollektoranlagen können wieder mehr nutzbare Wärme liefern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Solarthermie nicht nur für das Warmwasser, sondern auch für die Raumheizung genutzt wird.

Dazu muss man sich bewusst machen, dass eine Einfamilienhaus-Solaranlage im Sommer kaum mehr als die zehn Kilowattstunden am Tag einsparen kann, die vier Personen jeden Tag für das Warmwasser brauchen. Hinzu kommen allerdings auch zwei und mehr Kilowattstunden Einsparung pro Tag, die sonst im Heizkessel verloren gehen, wenn dieser rund dreimal täglich einen herkömmlichen Warmwasserspeicher (ohne Kollektoranlage) aufheizt.

Solarwärme in der Heizung steigert den Solarertrag

Wenn die Nächte im Herbst spürbar kälter werden, kann man noch vor Sonnenaufgang etwas Solarwärme aus dem Pufferspeicher ins Bad schicken, um es dort gemütlich zu haben. Das senkt die Temperatur in der untersten Speicherschicht, und umso früher kann der Sonnenkollektor morgens wieder mit gutem Wirkungsgrad Wärme in den Speicher liefern. Letztlich lädt ein Sonnenkollektor an Sonnentagen im Herbst mehr nutzbare Solarwärme in die Anlage als im Hochsommer.

Auf die Heizungsregelung kommt es an

Wichtig ist nur, es mit der Heizwärmenutzung der Solarenergie nicht zu übertreiben. Zum Ende und jetzt zum Beginn der Heizperiode sollte man nicht mehr als das untere Drittel des Speichers für Heizzwecke leerräumen. Dazu muss die Heizungsregelung leicht bedienbar sein, damit technisch einigermaßen versierte Hausbewohner die Einstellungen dem Verlauf der Jahreszeit anpassen können. Optimal ist eine automatische Regelung, die vorzugsweise dann die Heizung laufen lässt, wenn der Ladezustand des Speichers das hergibt, und die sparsamer heizt, wenn Solarwärme knapp wird. Auf diese Weise lässt sich die thermische Speicherkapazität des Hauses für Solarwärme nutzen.

Eine Systemregelung, die Solarkreis, Heizkreis und Kessel gleichermaßen unter Kontrolle hat, ist eine gute Voraussetzung, aber keine Garantie für einen solaroptimierten Betrieb der Heizung. Wenn der Systemregler den Heizkreis stumpf bei einer Außentemperatur von über z. B. 16 °C ausschaltet und bei Unterschreiten dieser Heizgrenztemperatur – also fast jede Nacht – wieder einschaltet, muss der Anlagenbetreiber alle paar Tage die Sperrung oder Freigabe von Heizkreis und Kessel neu einstellen. Sonst fährt das System zu viel Wärme in die Heizung und die solare Energieeinsparung an die Wand.

Eine gute Lösung ist eine Heizungsregelung, die zwei Heizgrenztemperaturen berücksichtigt: Eine obere (16 °C) für den Komfort am Tag, eine niedrigere (z. B. 8 °C) in den Zeiten mit abgesenktem Heizbetrieb. So läuft die Heizung gezielt in den Morgenstunden nach Ende der Nachtabsenkung, bis die Außentemperatur über die Heizgrenze für den normalen Heizbetrieb gestiegen ist. Das entspricht nicht voll dem oben beschriebenen solaroptimierten Betrieb der Heizung nach Ladezustand des Speichers, kommt diesem aber recht nahe.

Die Praxis bestätigt die Theorie

Obwohl es in den vergangenen sechs Tagen nur drei Tage mit vollem Sonnenschein, aber einen Tag mit durchgehendem Regenwetter gab, lieferte der 10 m² Kollektor meiner Anlage (26 Grad Neigung, Südwest) durchschnittlich gute 12 Kilowattstunden am Tag. Das ist bilanziell immer noch solare Volldeckung beim Trinkwarmwasser. Trotzdem musste nur 1 (eine) Kilowattstunde nachgeheizt werden, weil wegen Urlaub nur zwei von vier Hausbewohnern Warmwasser zapften. Die „überschüssige“ Solarwärme hat also dazu beigetragen, dass das Haus nicht auskühlt.
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
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Axel Horn
 
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Re: Solarthermie nutzen im Herbst

Beitragvon Energiesparer195536 » Samstag 24. Oktober 2015, 12:51

Sehr interessant!
Energiesparer195536
 
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Re: Solarthermie nutzen im Herbst

Beitragvon Energiesparer145647 » Sonntag 15. November 2015, 07:46

Ich nutze seit 2001 eine solare Heizungsunterstüzung, und bin begeistert. Ich habe 11 m² nach Westen raus. Mit Gas Brennwert und Solarkollektoren habe ich 40% gegenüber der alten Heizung gespart. Seit einem Jahr spare ich noch mehr. Ich habe mein Haus dämmen lassen. Daher konnte ich die Heizkurve flacher einstellen. Im zweiten Schritt ist der prozentuale Anteil der solaren Heizungsunterstützung gestiegen, da der Heizwärmebedarf ja niedriger liegt.Da ich als Hobby noch mit Holz heize, und einen Holzvergaser im Keller habe, liegt mein Gasverbrauch bei 250 m³ im Jahr.
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