Sektorkopplung ist keine Einbahnstraße

Nur Warmwasserbereitung oder Warmwasserbereitung und Heizung? Was sind Eure Erfahrungen mit Thermosolaranlagen? Wer hat Tipps zur Umsetzung?

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Sektorkopplung ist keine Einbahnstraße

Beitragvon Axel Horn » Samstag 22. Juli 2017, 09:53

Deutschland am Donnerstagmorgen des 20. Juli 2017: Innerhalb von nur zwei Stunden steigt der Spotmarktpreis an der Strombörse EPEX von 30,32 € (um 5 Uhr) auf 47,26 € (um 7 Uhr). In dieser frühen Morgenstunde entwickelte die Photovoltaik zwar schon 1,6 Gigawatt Leistung, das ist mehr als die Nennleistung eines Atomkraftwerks. Aber der Stromverbrauch schnellt im selben Zeitraum von 55 auf 65 Gigawatt.
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Agorameter 20170722.png (55.89 KiB) 708-mal betrachtet

Der morgens mit hohem Gradienten einsetzende Leistungsbedarf wird sich künftig sogar noch verstärken, wenn im Zuge der "Sektorkopplung" noch mehr elektrische Energie in Wärmepumpenanlagen fließt, die dann morgens in Millionen Haushalten das Duschwasser erwärmen.

Das Haus, in dem ich lebe, wird von einer klassischen Sonnenkollektoranlage mit Wärme für Warmwasser und einen guten Teil der Raumheizung versorgt. Eine konventionelle Nachheizung war schon seit gut zwei Monaten nicht mehr nötig. Das Teewasser kommt solar vorgewärmt in den Wasserkocher, was bei jeder Teekanne 46 Wattstunden spart. Auch der Geschirrspüler und die Waschmaschine haben einen Warmwasseranschluss und nutzen Solarwärme zum Stromsparen. Im Gesamteffekt führt das zu dieser Begrüßung durch das Energiesparkonto nach dem Einloggen:
Glückwunsch! Sie sind ein Stromsparer!
Sie haben im Juni 2017 137 kWh (-41%) weniger Strom verbraucht als Nutzer in ähnlichen Haushalten.

Umgekehrt tadelt mich das Energiesparkonto aber mit dieser Ermahnung:
Sie können Heizkosten sparen!
Sie verbrauchen viel Heizenergie. Ihr Verbrauch lag im Juni 2017 383 kWh (+355%) höher als bei Nutzern in ähnlichen Haushalten.

Mir ist schleierhaft, wie andere Vier-Personen-Haushalte es schaffen sollen, mit 108 kWh ihren monatlichen Warmwasserverbrauch zu decken, der Richtwert für Auslegungsrechnungen liegt gut 2 kWh pro Person und Tag. Aber klar ist natürlich auch: nicht der gesamte Solarertrag der in den Speicher gelieferten 491 kWh ging in den Verbrauch. Je heißer der Speicher, desto höher die Wärmeverluste. Das schadet aber nicht, sondern schützt im Sommer den Kollektor vor Überhitzung, während es im Winter keine Überhitzung im Speicher gibt. Und letztlich geben auch Stromspeicher rund 20% weniger Energie ab, als zum Laden benötigt wird.
Vom Energiesparkonto würde ich mir wünschen, besser zwischen der von der Nachheizung verbrauchten Energie und der vom Sonnenkollektor gelieferten, kostenlosen Solarwärme zu unterscheiden. Denn auch in der allgemeinen Energiewende-Diskussion sollte mehr Beachtung finden, welchen Beitrag die Solarthermie mit ihren Wärmespeichern zur Entlastung der Stromnetze leisten kann. Wer dagegen Sektorkopplung ausschließlich als Einbahnstraße vom Strom zur Wärme versteht, ist nur Wegbereiter für neue, angeblich "grüne" Atomreaktoren.

Atomkraft? Nein Danke! sieht so aus:

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Quellen:
http://www.sma.de/unternehmen/pv-leistung-in-deutschland.html
https://www.agora-energiewende.de/de/themen/-agothem-/Produkt/produkt/76/Agorameter/
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
http://www.ahornsolar.de
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Re: Sektorkopplung ist keine Einbahnstraße

Beitragvon Axel Horn » Dienstag 1. August 2017, 11:08

Immer mit Spannung erwartet: die neue Bilanz im Energiesparkonto zum Monatswechsel. Für Juli schaut diese so aus:

ESK Juli 2017.png
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Daraus ergibt sich, dass der zusätzliche Einsatz von 341 kWh aus dem Sonnenkollektor eine Stromeinsparung von 141 kWh gebracht hat. Ein Wirkungsgrad von 41% ist bei der Erzeugung von Strom aus Niedertemperaturwärme ist physikalisch unmöglich. Aber bei einer intelligenten Kopplung der Sektoren Wärme und Strom zur Einsparung :idea: von Strom funktioniert das offenbar prima.
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