lieber nicht!

Auch wenn es draußen kalt ist - drinnen sollte es bitte schön warm bleiben. Genau deshalb fragen wir Sie nach Ihren besten Tipps rund um das Thema dämmen. Legen Sie eine Decke vor die Wohnungstür? Oder ziehen Sie die Küchenvorhänge über Nacht zu? Und was ist mit den Kellerfenstern? - Diskutieren Sie mit anderen Energiesparern über das Thema "Dämmung". Stellen Sie Ihre Fragen, geben Sie Ratschläge und holen Sie sich wertvolle Anregungen!

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Re: lieber nicht!

Beitragvon Energiesparer214619 » Donnerstag 25. Januar 2018, 20:45

Energiesparer8425 hat geschrieben:Was kostet der Quadratmeter ? Styropor ist am günstigsten, schwer entflamm-/brennbare Naturmaterialien am teuersten.
Aber deutlich mehr Einfluss als die Materialkosten haben die Arbeitskosten.

Wirtschaftlichkeit der energetischen Sanierung ? Es ist wohl am wirtschaftlichsten, weiter billiges Öl/Gas zu verheizen und sonst nichts zu tun. Du bist doch ganz zufrieden mit Deinem Verbrauch. Und die Klimafolgeschäden fallen erst für Deine Kinder an: saubere Lösung ! :((

Bei einem 50er-Jahre Haus mit Originalfenstern ist eigentlich eine Vollsanierung fällig, also:
1. 3.fach verglaste Fenster.
2. Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (KWL mit WR)
3. Perimeterdämmung möglichst gleich 20 cm (die Mehrkosten ggü. 10 cm sind beim Material gering, bei den Arbeitskosten zu vernachlässigen).
4. Dämmung oberste/unterste Geschossdecke.
5. Neue Heizung mit erneuerbaren Brennstoffen mit möglichst viel Solarunterstützung.
Leider legst Du sicher noch mal so viel an Kosten drauf, wie das ganze Haus vorher Wert war.
Ist aber alles wertsteigernd !

Bei mir hat es Energieeinsparungen von 80% ergeben.
https://www.energiesparkonto.de/esk/pub ... a93e592e25
Viel Erfolg beim Retten der Erde...


Beeindruckend was in Eigenregie geht und was es auch bringt.

Zu einigen der hier diskutierten Punkte benötigt es m.E. aber eine Klarstellung


Brennbarkeit von Fassaden
Ja, Styroporfassaden können theoretisch brennen. Allerdings gilt es zu beachten: "An den 180 000 Brandfällen pro Jahr sind Hartschaumdämmplatten an der Fassade jährlich in vier Fällen beteiligt" In den meisten Fällen sind es Zimmerbrände die über die Fenster von Stockwerk zu Stockwerk klettern, weil die Fenster durch die Hitze bersten und die Zimmereinrichtung im nächsten Stock entzünden. Gleichzeitig schützt ein intakter Fassadenputz das Dämmaterial vor den Flammeneinwirkungen, in einigen Fällen, bei denen die Fassade brannte waren entweder die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen, oder gravierende Fehler begangen worden.
https://www.ausbauundfassade.de/compone ... roblem.pdf
Eine Auflistung von Bränden unter Fassadenbeteiligung seit 2010 sammelt die Feuerwehr Frankfurt, hier ist zu erkennen, das in einigen Fällen die Fassade nahezu unbeschadet dem Brand standgehalten hat, in anderen durchaus beteiligt war, die Panikmache in den Medien aber total unberechtigt ist:
http://www.feuerwehr-frankfurt.de/index ... jekte/wdvs


Wahl des Dämmstoffs
Jedem steht frei einen Dämmstoff zu wählen der ihm/ihr zusagt. Den größten Marktanteil hat Polystyrol und seine Abwandlungen, diese befinden sich auch am unteren Ende der Preisskala. Mineralwolle/Steinwolle/Glaswolle stehen weit abgeschlagen dahinter, von den Kosten aber noch in Schlagdistanz. Dann kommen die "Naturdämmstoffe" hier gibt es exklusive Lösungen wie Schafwolle, bei der ich mich frage, wer sie einsetzt. Aber konkurenzfähig sind vor allem Zellulosefasern (i.d.R. Altpapier, bekannt auch als Isofloc) das als Schüttung oder als Platten zu beziehen ist und übrigens ähnlich wie Holz einen hervorragende Brandwiderstand bietet, wo die meisten anderen Dämmstoffe (inklusive Mineralwolle - die einfach wegschmilzt) aufgeben bieten Holz und Zellulose durch verkohlen der obersten Schicht und kontrolliertes Brandverhalten eine lange Standzeit bei Feuereinwirkung. Interessant finde ich auch Neuptungras (Abgestorbenes Seegras) das zwar teurer ist aber auch nicht brennbar (allerdings verglimmt es).

Fassadendämmung kostet relativ viel
Ja, das stimmt, ein Fenstertausch mit gleicher Energieeinsparwirkung ist häufig deutlich kostengünstiger, allerdings ist bei solchen Maßnahmen immer darauf zu achten, dass man sich kein Problem ins Haus holt. Neue Fenster sind - sinnvollerweise - wesentlich luftdichter, daher reduziert sich der Luftwechsel und es muss mehr händsich oder maschinell gelüftet werden um die regelmäßig entstehende Luftfeuchtigkeit abzutransportieren. Werden Fenster getauscht verschiebt sich der kälteste Punkt im Raum vom Fenster an die Wand, entsprechend verschiebt sich auch die Kondensation dorthin und es kann zu Schimmelwachstum kommen. An Fenstern entsteht dieser meist nicht, da Fenster keinen Nährboden bieten, höchstens die Fensterdichtung. Es ist also immer auf das Zusammenspiel der Bauteile zu achten, daher kann eine Fassadendämmung notwendig sein. Eine Dämmung reduziert anderstrum dieses Problem, da die Wandtemperatur steigt und entsprechend die Gefahr und der Anteil von Kondenswasser zurückgeht.
Zudem erhöht sich (wie im zitierten Beispiel) die Raum- und die Wandtemperatur und damit die Behaglichkeit, das dürfen Sie keiner Energieeinsparung entgegenrechnen.
Um eine günstige Fassadendämmung zu erreichen bietet sich die Kombination mit Instandhaltungsmaßnahmen an (neu verputen/streichen), wird z.B. ein Gerüst dafür aufgebaut sinken die Kosten für die Dämmmaßnahme deutlich, bzw. sind in der Kostenbetrachtung der Instandhaltung zuzurechnen.

Die Wand atmet
Ist leider totaler Blödsinn, durch die Wandkonstruktion wird so wenig Wasserdampf oder Sauerstoff transportiert, dass es keinen nennenswerten Einfluss auf die Luftfeuchte oder Sauerstoffkonzentration hat. Bei fehlerhafter Konstruktion kann es jedoch sein, dass Feuchtigkeit in die Wand eindringt und dort auskondenisert und im Laufe der Zeit die Konstruktion beschädigt, deshalb werden Wände und Decken i.d.R. innen mit einer Dampfsperre (Folie, oder OSB Platte) versehen. Es gibt jedoch auch Konstruktionen die von innen nach außen mit zunehmenden Diffusionsdurchlässigkeit konstruiert sind um eindringende Feuchtigkeit wieder abgeben zu können.


Effizienz der Dämmstoffstärke nimmt mit zunehmender Dicke ab
Ja, aber auch die Kosten in viel höherem Maßstab. Der größte Kostenfaktor sind die Arbeitszeit, dazu das Gerüst und der Putz, alles nahezu unbeeinflusst von der Materialstärke. Dem Handwerker ist (beinahe) egal ob er 10 oder 30 cm Dämmung anbringt. Die Materialkosten betragen etwa 2-3 €/m² für jeden Zentimeter mehr. Da lohnt sich eine dickere Schicht ganz schnell über 20 oder gar 50 Jahre Nutzungsdauer.

Jetzt habe ich doch einiges geschrieben, ich hoffe an der einen oder anderen Stelle zum nachdenken anregen zu können und ernsthaft in erwägung zu ziehen, wann und wie das eigene Gebäude richtig gedämmt werden kann. Gerne stehe ich für eine Diskussion bereit.

Wie sang schon Reinhard Mey? "Man soll nicht alles glauben was in der Zeitung steht"
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Re: lieber nicht!

Beitragvon reichmannklemen » Donnerstag 15. Februar 2018, 09:40

Was haltet ihr eigentlich davon, mit Luft zu dämmen? Habe gehört das soll ganz gut sein, Nimmt eben viel Platz weg.
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Re: lieber nicht!

Beitragvon Energiesparer214619 » Montag 19. Februar 2018, 14:08

Energiesparer252949 hat geschrieben:Was haltet ihr eigentlich davon, mit Luft zu dämmen? Habe gehört das soll ganz gut sein, Nimmt eben viel Platz weg.


Gute Idee, wird bereits in über 99% der Fälle gemacht ;) Eigentlich alle Dämmstoffe arbeiten nach dem Prinzip, die VIP (Vakuum-Isolations-Paneele mal ausgenommen). Leider kommt es bei der Dämmung auch noch auf andere Aspekte an, es wäre daher interessant zu wissen, auf was für eine Methode Sie sich beziehen.

Dämmstoffe arbeiten eigentlich immer damit die Übertragung von Wärme durch die Luft zu verhindern. Da Wärme im Wesentlichen durch drei Wege übertragen werden kann müssen Dämmstoffe diese drei Übertragungswege so gut wie möglich unterbrechen.
1. Wärmekonvektion
Das ist die Strömung von warmer Luft, z.B. wenn Sie die Fenster aufmachen und die warme Luft aus dem Raum nach außen zieht und kalte Luft nachströmt. In Dämmstoffen wird das in der Regel durch das Material sehr gut verhindert, bzw. auf sehr kleine Bereiche begrenzt. Z. B. in jedem Styroporkügelchen dind viele feine Poren die viel kleine Räume schaffen und so die Zirkulation nahezu verhindern. Teilweise wird jedoch auch anderes Gas als Luft in die Poren gefüllt um den Effekt zu verbessern.
2. Wärmeleitung
Jeder Stoff leitet Wärme, z. B. Metalle leiten sehr gut, wenn Sie also einen metallenen Handlauf anfassen merken Sie wie die Wärme im Metall weitergeleitet wird und ihre Hand kalt wird, Holz leitet wesentlich schlechter, daher fühlt sich die Oberfläche wärmer an, da die oberste Schicht quasi von ihrer Hand aufgewärmt wurde und die Wärme puffert. Auch Dämmstoffe müssen also schlechte Wärmeleiter sein, um die Wärmleitung zu begrenzen.
3. Wärmestrahlung
Stellen Sie sich von einen Heizkörper oder legen Sie sich in die Sonne, das ist geballte Wärmestrahlung. Also sollten Dämmstoffe innerhalb des Stoffes die Luftporen nicht mit Strahlung überbrücken, d.h. schlecht Wärme abstrahlen und schlecht Wärmestrahlung aufnehmen.

Näheres hier: https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4rm ... bertragung
Energiesparer214619
 
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