Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

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Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

Beitragvon AndreasHopp » Freitag 10. Oktober 2014, 11:08

Hallo zusammen,
seit mehr als einem Jahr habe ich auf meinem Dach (Ausrichtung-Südlage) eine 7,8 kWp PV-Anlage und speise damit den größten Teil des Stromes ein.
Vor etwa 2 Monaten hat mich mein Heizungsmonteur mal angesprochen ob wir nicht unser Warmwasser (bis dato über die Gasheizung erwärmt) nicht über den Strom der PV erwärmen wollen. Hintergrund war auch das wir eine 20 Jahre alte Heizung mit separaten Warmwasserspeicher haben und hier Gas sparen würden, da über Sommer die Heizungsanlage dann ausbleiben würde.
Wir haben uns dann für eine Striebel Eltron Warmwasser-Wärmepumpen WWK220 entschieden (http://www.stiebel-eltron.de/erneuerbare-energien/produkte/waermepumpe/warmwasser-waermepumpen/wwk-220-300-electronic/) und ich muss sagen wir sind sehr zufrieden. Die Wärmepumpen ist so gesteuert, das wenn meine PV eine Leistung >600 kWh hat schaltet sich diese ein und erwärmt das Wasser aus 65 Grad und habe ich mal nicht die Leistung von 600 kWh, so wird das Wasser nur bis 55 Grad erwärmt und ich müsse das halt über meinen eingekauften Strom bezahlen.
Wir haben uns noch eine Zeitschaltuhr einbauen lassen (hat leider die Wärmepumpe nicht inkl.), da wenn mal alle 4 Personen nacheinander Abends baden, die Warmwassertemperatur des Speichers unter 55 Grad fallen kann und die Wärmepumpe dann angeht und das Wasser wieder auf 55 Grad erwärmt. Durch die Zeitschaltuhr geht Wärmepumpen bei uns erst 09:30 Uhr an und bleibt auch bis 18:00 Uhr angeschaltet, erst danach schaltet sie sich aus.

Ich wollte euch dies mal mitteilen, welche Alternativen es noch gibt seinen Eigenverbrauch für PV-Strom zu erhöhen um auf der anderen Seite woanders zu sparen. Ich hoffe euch hilt das weiter.

Viele Grüße
Andreas
AndreasHopp
 
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Re: Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

Beitragvon Energiesparer107388 » Freitag 6. März 2015, 15:49

Hallo,

wieviel hat das ganze denn gekostet? Wie viel Liter hat der Speicher?
Ich habe ein 9,88kWp PV Anlage und werde im Sommer die eine oder andere kWh übrig haben :)
LG
Energiesparer107388
 
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Re: Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

Beitragvon Axel Horn » Samstag 16. Mai 2015, 08:21

Wenn eine große PV-Anlage (> 4 kW) auf einem Einfamilienhaus installiert ist, dann kann die Installation einer Wärmepumpe als "Power2Heat" auf alle Fälle eine gute Idee sein. Denn bevor sommerliche PV-Strom Überschüsse das Stromnetz durcheinanderbringen und womöglich abgeregelt werden müssen, oder bevor man mit "Power2Gas" mit begrenztem Wirkungsgrad Brennstoff herstellt und dann über den Gaskessel in Warmwasser umsetzt, hat eine Luft-Wasser-Wärmepumpe auf demselben Pfad einen höheren Wirkungsgrad.

Allerdings wundere ich mich über die Angaben zur Regelung. Die Wärmepumpe schaltet ein bei "Leistung > 600 kWh"? Das kann so nicht sein. Ich vermute, dass sie bei über 600 Watt (0,6 kW) PV-Leistung einschaltet. Das würde zu den technischen Daten der genannten Wärmepumpe passen: elektrische Leistungsaufnahme ca. 0,5 kW, Wärmeerzeugungsleistung ca. 1,5 kW.

Der Wärmeverbrauch einer vierköpfigen Familie für Warmwasser liegt bei gut 10 kWh pro Tag. Das Zeitfenster von 9:30 bis 18 Uhr könnte also gerade hinkommen, um den Speicher auf eine ausreichende Temperatur zu bringen. Vorausgesetzt, der Speicher ist groß genug, um auch den Verbrauch zwischen 18 Uhr und dem folgenden Morgen sicher abzudecken. Denn sonst muss entweder konventionell erzeugter Strom oder eben doch der Gaskessel einspringen. Als Mindestgröße des Speichers sehe ich 500 Liter an, wobei ein 800 oder 1000 Liter Speicher meistens ebensogut in den Heizraum passt und dann locker auch einen Schlechtwettertag abdeckt, wenn der PV-Strom gerade so für Kühlschrank, elektronische Geräte und weitere Verbraucher ausreicht.

Wirklich interessant wäre nun, wieviel die Installation der Wärmepumpe kostet. Denn im Zuge der Nachrüstung des Pufferspeichers (Kombipuffer oder Puffer mit Frischwarmwasserstation) kommt alternativ zur Wärmepumpe immer auch die Investition in einen Sonnenkollektor in Betracht, wenn denn nur das Dach noch eine freie Fläche dafür bietet. Ein 10 m² Kollektor schafft ganzjährig im Durchschnitt 10 kWh pro Tag in den Speicher. Im Winter natürlich weniger, aber ab dem Frühjahr bis in den Herbst kommen selbst an Schlechtwettertagen, wenn die Sonne durch die Wolken nur zu ahnen ist, gut 3 kWh in den Speicher, bei Sonnenschein werden es schnell 20 kWh und mehr. Den Ausgleich macht der ausreichend bemessene Pufferspeicher.

Ob PV-Strom-Wärmepumpe oder Sonnenkollektor: aus dem Heizwasserpufferspeicher kann Solarenergie immer auch in die Heizung geleitet werden. Das erhöht die täglich nutzbare Solarenergie während der Heizperiode auf über 10 kWh. Mit der Wärmepumpenförderung kenne ich mich nicht aus, vielleicht ist da etwas vom BAFA zu bekommen. Solarthermieanlagen zur kombinierten Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung mit Kollektorfläche über 9 m² erhalten pauschal 2.000 € Förderung. Nebenbedingungen und weitere Info siehe http://www.bafa.de/bafa/de/energie/erneuerbare_energien/solarthermie/index.html.
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
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Re: Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

Beitragvon Energiesparer212816 » Mittwoch 7. Oktober 2015, 19:18

Danke für dein tollen Beitrag. Wir haben zu Hause fast das gleiche System. Unsere Wärmepumpe wird auch von der Solaranlage auf dem Dach versorgt. Wir müssen aber auch oft Strom hinzu kaufen, da für unsere Hauslage die Solaranlage nicht häufig genug Strom erzeugt. Deshalb wollen wir uns noch auf unserer Garage zwei Solarkollektoren bauen lassen.
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Re: Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

Beitragvon Energiesparer243821 » Montag 19. Juni 2017, 14:40

Auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist, möchte ich das Thema gerne nochmals aufwärmen.

Wie Arno Rosel sagte:

"In Zukunft werden wir auf den Dächern verstärkt Photovoltaikmodule sehen und auch die Wärmepumpe ist meiner Meinung nach eine spannende Technik mit Zukunftspotential."

Viele Experten gehen derzeit von großen Sturkturänderungen in den den kommenden 15 Jahren aus. Gerade die rasche Entwicklung in der Speichertechnologie und der damit einhergehende Preisverfall um durchschnittlich 18% pro Jahr bei Lithium-Akkus ist Grund genug sich auf einen Paradigmenwechsel einzustellen.

Immer mehr Verbraucher werten im Übrigen auch die die Autarkie, also Unabhängigkeit vom externen Energieversorger gewichtiger, als die alleinige Rendite in stumpfen Zahlen. Unabhängigkeit ist Gewinn an Lebensqualität!
Gerade die Kombination von PV & Wärmpumpe macht das schon heute möglich!

Auf der Seite https://ihre-waermepumpe.de/grundlagen- ... -home.html habe ich eine Infografik mit der Kombination von PV, Wärmepumpe und Smart-Home online gestellt, welche die großen Vorteile aufzeigt. Im genannten eBook ist ebenfalls einiges an Informationen zu finden. Um diese Thematik bekannter zu machen, hatte ich mich im übrigen entschlossen das eBook kostenlos zu veröffentlichen - also gerne einfach auf der Homepage zum eBook downloaden: https://ihre-waermepumpe.de/

Ich bin gespannt, wie sich die nächsten Jahre entwickeln. Hoffentlich verschläft der deutsche Markt nicht das große Potential der Wärmepumpen! Also immer positive Stimmung machen für den Fortschritt weg von Öl und Gas! :D
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Re: Erfahrung mit einer Warmwasser-Wärmepumpe über PV

Beitragvon Axel Horn » Dienstag 20. Juni 2017, 21:25

Zum neuen Beitrag von Energiesparer243821:

Energiesparer243821 hat geschrieben:Also immer positive Stimmung machen für den Fortschritt weg von Öl und Gas!


Wärmepumpen und Photovoltaik können in diesem Sinne durchaus sinnvolle Beiträge liefern. Aber man sollte nicht suggerieren, man müsse so ein System nur noch mit einer großen Solarbatterie ergänzen, um in "Unabhängigkeit vom externen Energieversorger" ein Haus beheizen zu können.

Wenn man berücksichtigt, wieviel Graue Energie in der Herstellung von Lithium-Akkus steckt, dann lohnt sich das energetisch nur, wenn der Akku sehr viele Ladezyklen pro Jahr durchläuft. Eine saisonale Speicherung, mit der man die Solarenergie aus dem Sommer für das Heizen im Winter verwenden kann, funktioniert nur mit großen Wärmespeichern oder über die chemische Speicherung, d. h. Brennstoffe.

Weg von Öl und Gas ist daher unzutreffend formuliert, denn zumindest Gas aus PTG-Anlagen wird ebenso zur Energiezukunft gehören wie Ökostrom. Das Ziel muss sein, weg von Erdöl und Erdgas zu kommen, genauso wie der Fortschritt bei den Wärmepumpen erst noch dazu führen muss, keinen Heizstrom aus Kohlekraftwerken zu beziehen.
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
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