Ü-20-Anlage als Insel?

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Energiesparer245027
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Ü-20-Anlage als Insel?

Beitrag von Energiesparer245027 »

Meine PV-Anlage aus 2001 mit 2,1 kWp läuft Ende des Jahres aus der Förderung heraus. Sie funktioniert einwandfrei und liefert ca. 1600 bis 1700 kWh/a. Unser Haus benötigt ca. 1200 kWh/a, so dass die Begehrlichkeit entsteht, einen Teil dieses Verbrauchs "vom Dach" zu decken.
Diverse Elektriker erzählen von vielen Hürden. So sei die technische Infrastruktur heute nicht mehr zulassungsfähig wegen geänderter technischer Normen. Ich müsste für eine Speicherung einen neuen Wechselrichter kaufen, einen neuen Zähler, ja sogar einen neuen Zählerschrank, der vom Netzbetreiber (EWE) nur mit einer Höhe von 100 cm genehmigt wird statt der bisherigen Dimension von 90 cm. Allein dieser Schrank soll € 1.300 kosten. Von einem Speicher ganz zu schweigen! Derartige Investitionen will ich nicht tätigen.

Jetzt lese ich von neuen steuerlichen Vorgaben, denen zufolge eine Besteuerung selbst genutzten Stromes entfällt, wenn keine Gewinnabsicht besteht, also der Strom nicht verkauft wird, sondern im Haus bleibt. Das ist meine Hoffnung, die sogenannte Insellösung.

Hat jemand Erfahrungen damit? Konkret:
- Ist es technisch möglich, den Wechselrichter vom Einspeisen ins öffentliche Netz umzustellen auf Einspeisen ins Hausnetz, ohne Überschuss-Einspeisung?
- Benötigt man für eine solche Änderung irgendwelche Genehmigungen?
- Benötigt man irgendeine neue Hardware (Sicherungen, Zähler ...)?
- Gibt es irgendwelche sonstigen Fallstricke, die man beachten muss?

Vielen Dank für Tipps im Voraus!
Energiesparer26990
Beiträge: 61
Registriert: Sonntag 8. Dezember 2013, 18:04

Re: Ü-20-Anlage als Insel?

Beitrag von Energiesparer26990 »

Zuerst einmal meinen herzlichen Glückwunsch zu Eurem extrem niedrigen Stromverbrauch. Ich kenne Einfamilienhäuser in der Regel mit einem Verbrauch von 1800 - 2400kWh/a. Bedeutet bei Euch, das ihr aktuell, bei 1200kWh, ja gerade mal 400€ Stromkosten pro Jahr (ohne Grundgebühr) habt.

Zuerst mal das Wichtigste in Kürze:
Ende 2020 hat der Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) um Regelungen für Ü20-Anlagen ergänzt. Diese sind zunächst bis Ende 2027 befristet.
Der Netzbetreiber muss weiterhin den Strom aus der Anlage abnehmen und eine Vergütung bezahlen. Diese hängt vom Börsenstrompreis ab. Dieser wird bei ca. 4 Cent pro Kilowattstunde liegen. Aktuell vermutlich sogar höher.
Wer nach dem Ende der EEG-Förderung nichts an seiner Photovoltaikanlage verändert, erhält diese Anschlussvergütung automatisch.

Ich gehe davon aus, das Eure Anlage abgeschrieben ist. Außerdem funktioniert die Anlage einwandfrei. Damit könnt ihr Euch erstmal ruhig zurücklehnen und eigentlich nichts tun und abwarten. Vielleicht zaubert unsere neue Regierung eine "Wunderwaffe" für Ü20-Anlagen hervor. Hoffnung kann man ja mal haben. In dieser "Wartezeit einfach die ca. 50-60€ pro Jahr kassieren. Ist nicht viel, aber auch kein Minusgeschäft. Abbau der Anlage würde ja auch Geld kosten. Bei guten PV-Modulen braucht ihr keine Sorgen wegen Ausfällen zu haben. Die werden auch noch nach 30 Jahren ihren Dienst tun. In der Regel sind die Wechselrichter das Problem einer PV-Anlage. Wenn noch nicht getauscht, kann dieses Thema nun demnächst anstehen.

Die Zwischenzeit natürlich auch zur Beschaffung von weiteren Informationen nutzen. Hierzu einen wirklich erfahrenen Installateur von PV-Anlagen ansprechen. Nicht jeder Elektobetrieb "um die Ecke", welcher PV-Anlagen installiert, hat auf diesem Gebiet genung Erfahrung.

Grundsätzlich kann eine Ü20-PV-Anlage auch auf Eigenverbrauch umgestellt sowie der überschüssige Solarstrom weiterhin ins Netz eingespeist werden. Im Zählerkasten ist hierzu ein wenig Klemmarbeit (durch einen Fachbetrieb) notwendig. Die Kosten sollten sich im Bereich von 200-250€ für diese Arbeit bewegen. Beim zuständigen EVU muss die Umstellung der Anlage auf Eigenverbrauch beantragt werden. Das EVU setzt nach Genehmigung einen Zweirichtungszähler. Hierzu muss, in der Regel, kein neuer Zählerschrank gesetzt werden. Allerdings kocht hier leider jedes EVU in Deutschland "sein eigenes Süppchen". Deshalb am besten auch mit dem zuständigen EVU reden. (wenn der Elektriker keine Ahnung hat). Die anfallenden Kosten können beim EVU nachgefragt werden. Übrigens kann man die aktuellen Vorschriften auch bei jedem EVU von deren Homepage herunterladen.
Zusätzlich zum EVU muss eine Änderung von Volleinspeisung auf Eigenverbrauch der PV-Anlage auch beim Marktstammdatenregister gemeldet werden. Hoffe das deine Anlage schon registriert ist. Ansonsten schnellstmöglich nachholen.
Eine Umstellung auf Eigenverbrauch bringt Euch eine Autarkiequote von ca. 25-35%. Beim aktuellen Strompreis spart ihr ca. 400€/a. Ihr könnt also leicht ausrechnen, wann sich euer Invest amortisiert.

Die Installation eines Speichers wird sich vermutlich nicht rechnen. Ein Speicher wird erst wieder mit dem Bau einer neuen PV-Anlage interessant. Auch dieses Szenario solltet ihr vielleicht mal betrachten.
Dazu sind natürlich auch viele Randbedingungen notwendig u.a.:
- Installation einer Wärmepumpe in Zukunft angedacht, vorgesehen?
- Kauf eines E-Autos? - mit einem E-Auto kann sich eine neue PV-Anlage viel schneller rechnen
- Lebenssituation: wie lange geht(gehen) die Besitzer noch arbeiten? Stichwort: Abschreibungsmöglichkeiten
Energiesparer245027
Beiträge: 7
Registriert: Dienstag 25. Juli 2017, 14:14

Re: Ü-20-Anlage als Insel?

Beitrag von Energiesparer245027 »

Danke sehr für die Auskunft!
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