Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

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Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Energiesparer252705 » Montag 19. Februar 2018, 11:32

Hallöle ans Forum!
Hoffe trotz meiner geheimnisvollen Überschrift verirrt sich jemand hierher in meine Frage.
Konkret geht es mir um die sog. "Steckdosen-Photovoltaikanlagen", in der Online Ausgabe der Wirtschaftswoche gab es dazu letzte Woche einen interessanten Artikel.
Ich weiß schon worum es sich dabei handelt, allerdings ist mir noch ein bisschen schleierhaft wie viel Einsparung dadurch letzten Endes auch wirklich möglich ist. Konkrete Aussagen gibt es iwie nicht.
Die große Frage die sich mir stellt ist ob eine Steckdose überhaupt mit soviel Strom, der eingespeist wird, zurecht kommt?
Wird sie denn nicht überlastet? Was sich ja dann wiederum auch auf die Kabel und deren Lebensdauer usw auswirkt..
Könnte ich damit theoretisch mehrere kleine Haushaltsgeräte komplett mit Energie "beliefern" oder dient so eine Anlage mehr dazu den Verbrauch nur etwas zu reduzieren?
Die viele Fragerei rührt daher dass ich die Möglichkeit habe eine zu bekommen, für einen schmalen Taler, ich mich allerdings noch zu wenig damit auskenne als dass ich blindlings zusagen möchte.

Ich freue mich über Rückantwort,
Lore
Energiesparer252705
 
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Energiesparer214619 » Montag 19. Februar 2018, 13:34

Hallo Lore,

das hängt von vielen Gegebenheiten ab. ;-)

Mittlerweile (seit 27. Oktober 2017) ist die sogenannte Guerillia-PV (auch, Balkon-PV, Plug-in-PV) mit der VDE Norm V 0100-551-1 genormt und wenn sie diese einhält auch zulässig. Ob und auf welche Art die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgen muss kann ich leider gerade nicht beantworten.

Wie viel Einsparung sie bringen kann liegt ganz an den Gegebenheiten bei Ihnen. Also, welche Leistung die PV-Anlage hat, welche Aufstellrichtung, welche Abschattung und ob Sie Verbraucher zum Zeitpunkt der Einspeisung betreiben. Ebenso wie hoch ihr Verbrauch ist. Ich hatte bis letztes Jahr einen Jahresstromverbrauch von 550 kWh (eine Person), d.h. ca. 1,5 kWh am Tag, bzw. einer Durchschnittsleistung von etwa 60 W da hätte ich vermutlich mit einer Stecker-PV-Anlage von mind. 150 W deutlich mehr erzeugt als ich verbrauchen hätte können. Bei einem Preis von 400- 500 € hätte sich das für mich (neben Montageproblemen, da ohne Balkon) nicht gelohnt. Sofern Ihr Verbrauch höher ist und sie auch tagsüber zuhause sind kann die Rechnung ganz anders aussehen. Evtl. kann Ihnen jemand eine Überschlagsrechnung empfehlen.

Zum Sicherheitsaspekt. Hier müssen Sie sich i.d.R. keine Gedanken machen. Wie beschrieben, wenn die Norm erfüllt ist, ist die Anlage betriebssicher. Eigentlich kann auch nie eine Anlage Spannung ins Netz einspeisen wenn Sicherung oder Fehlerstromschutzschalter ausgelöst haben, da der Wechselrichter auf die Frequenzvorgabe des Stromnetzes angewiesen ist.
Auch die Leistung von Balkon PV mit i.d.R. unter 300 oder 400 W (bei zwei Modulen) liegt deutlich unter z. B. ihrem Wasserkocher oder Fön (je 2000 W). Erst bei sehr alter Elektroinstallation oder mehr PV-Modulen ist dies einen kritischen Blick wert.
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Axel Horn » Montag 19. Februar 2018, 13:38

Liebe Lore,

ohne die Information, wieviel Leistung Deine Guerilla-PV Anlage haben soll, lässt sich nicht sage, ob die Steckdose und das dahinterliegende Kabel ausreichen. Falls es nur 250 Watt sein sollten, so wie bei den Solar-Rebell-Anlagen der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, darf es rein technisch gesehen keine Probleme geben.

Allerdings sind aufgrund der in Deutschland geltenden Gesetze und Technischen Normen drei Dinge zu beachten:

  • Es muss eine separat abgesicherte Leitung von der Stromverteilung zur Anschlussdose für Stecker mit Berührungsschutz vorliegen
  • Die Kleinst-PV-Anlage muss über einen NA-Schutz verfügen, der bei Netzstörung die Anlage sicher abtrennt
  • Die Inbetriebnahme der Anlage sollte beim Netzbetreiber angemeldet werden

So steht das auf der entsprechenden Seite der DGS:
http://www.sonnenenergie.de/index.php?i ... ews%5D=358

Der dahinterstehende Grundgedanke ist, dass tagsüber der Stromverbrauch in einem Haushalt fast nie unter 250 Watt fällt, also der Solarstrom nur dazu dient, den Netzstrom.-Zähler etwas zu bremsen, ohne dass Solarstrom raus ins Netz läuft und dort "stören" könnte.

Viel Spaß mit dem selbstproduzierten Solarstrom!

Axel
Axel Horn - Fachingenieur für Solarthermie - 82054 Sauerlach
http://www.ahornsolar.de
Axel Horn
 
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Energiesparer195644 » Dienstag 27. Februar 2018, 14:39

Ich war selbst zeitweise Besitzer einer solchen "Steckdosen-Photovoltaikanlage" und gebe dir gern meine Erfahrungswerte diesbezüglich weiter.
Hatte sie mir so um den Sommer rum vor zwei Jahren zugelegt, mit einem Gefühl von Neugier und Skepsis das muss ich zugeben.
Größtes Problem damals war dass der Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) die aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht zulassen wollte, was versicherungstechnisch ein WORST CASE ist.
Meine Anlage lief mit 250 Wp, was jetzt gar nicht mal so viel ist.
Hast du mehr Leistung wird einem oft geraten die Steckdosen im Haus getrennt zu verbauen – also entweder als Einspeisedosen oder als Verbrauchssteckdosen um eine Überlastung unmöglich zu machen.
Und da kommen wir schon zum Problem - wer bitte macht sich solch einen Aufwand nur um eine kleine Photovoltaikanlage in Betrieb nehmen zu können?? Eben - niemand.
Und das nervt mich an der deutschen Bürokratie manchmal, sie legt einen Steine in den Weg.
Ich verstehe die Sicherheitsbedenken an sich absolut, finde sie jedoch ein wenig übertrieben in diesem Fall.
Hauptsache man wird daran gehindert Geld zu sparen..

Naja, jedenfalls kommen Steckdosen normalerweise mit solch einer Leistung zurecht, da bei einer Überlastung der Leistungsschutzschalter greift...ich glaube bei Anlagen bis 600 Watt Leistung musst du dir sowieso keine Sorgen machen.
deine ganze Wohnung kannst du damit jedoch nicht mit Strom beliefern, allenfalls den verbrauch etwas abfedern, also bitte keine großen Wunder erwarten, da brauchst du wenn dann eine "richtige" PV-Anlage.

Trotz allem kann ich sie weiterempfehlen, vor allem Ein-Personen-Haushalten, da wird die Einsparung am meisten spürbar sein.
Großer Vorteil ist dass du sie quasi überall wo Sonne ist aufstellen kannst, genannt wird da unter anderem(*)...

Terrasse oder Balkon
Die Ausrichtung findet in der Regel nach Süden oder Westen statt und kann die Sonne daher bestens einfangen.
Hauswand
Mit einer entsprechenden Vorrichtung, die beim Kauf in der Regel mitgeliefert wird, kann die PV-Anlage an der Wand befestigt werden.

Das Innere des Hauses
Durch die geringe Größe kann das Produkt sogar hinter einem Fenster aufgestellt werden. Eine lange Sonnenscheindauer auf das Gerät ist jedoch zu beachten.

Garten
Mit einem kleinen Tisch im Grünen wird die PV-Anlage noch zum Hingucker.

Also gerade bei kleineren Wohnungen äußerst praktisch, einfach an den Balkon anbringen (siehe privates Foto, folgend) oder in einem dauerhaft besonnten Raum aufstellen, wobei ich das als etwas störend empfinden würde.

Nicht die beste Quali aber das einzige Foto das ich finden konnte von meiner Anlage damals:
Bild



Hier noch ein Artikel von Greenpeace zur Zwangszulassung von Steckdosen-PV-Anlagen, sehr interessantes Urteil:

https://blog.greenpeace-energy.de/informieren/unternehmens-news/punktsieg-fuer-simon/#more-3557


Gruß












Quellenangaben:
(*)https://www.massivhaus-zentrum.de/hausbau-tipps-aktuell.php
Energiesparer195644
 
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Energiesparer186088 » Sonntag 18. März 2018, 15:50

Hallo Allerseits!

Also ich habe bisher eine Insel-Anlage, das bedeutet, PV 100Wp und ein kleiner Windgenerator 250W laden eine Bleibatterie. Wäre absurd teuer, wenn ich nicht in der Firma 5 Jahre alte Bleibatterien zum entsorgen mitbekommen würde. Die laufen dann bei mir noch ein Jahr und ich gebe jeweils die älteste zum Schrotthändler.

Mit dieser Anlage betreibe ich 12 V Geräte, die über die "Zigarettenanzünder-Buchse" angeschlossen werden und alles, was an USB-Buchse geladen werden kann. Ein billiger Spannungswandler kann 220V wandeln, klar, dass man da nun nicht grade den Backofen dran betreiben kann.

Macht mal die Runde durchs Haus, alles was ein Steckernetzteil hat ist ein potentieller Stromfresser. Entweder moderne Schaltnetzteile besorgen oder weg damit und an der Insel laden.

Nun zum Einspeisen: Ich habe mir die Technik besorgt und gründlich überprüft:
1.) Auswertung der mir vorliegenden Technik klappt nur, wenn ein PC über USB oder serielle Schnittstelle angeschlossen ständig läuft.
Da habe ich ja noch einen Stromfresser im Haus. Klar, es gibt inzwischen Kleinst-PC, aber damit mache ich den Nutzen der Anlage irgendwie schmäler...

2.) Läuft euer Stromzähler gar nicht rückwärts. Da ist eine Rücklaufsperre eingebaut. Alles, was der Guerilla zu viel einspeist, wird vom Netz gerne angenommen, aber nicht bezahlt. Wenn ich also 250 VA einspeise, muss mein Haushalt das auch in genau diesem Moment brauchen.
Was läuft denn ständig? Heizungspumpe, WLAN, Kühlschrank, die ganzen Standby-Geräte?
Vielleicht macht es mehr Sinn, beim Verlassen des Zimmers eine Steckdosenleiste auszuschalten als so eine aufwändige Technik zu betreiben.

3.) Wie die Vorredner schon betonten: Wenn die Stadtwerke den Strom abschalten, geht auch das Guerilla Kraftwerk aus. Das muss so sein, denn der Elektriker der in der Straße in der Aufgrabung bastelt weiß von unserer Anlage ja nichts und möchte nicht gegrillt werden. Das heißt auch: Bei Stromausfall ist es auch bei uns dunkel.

Bis demnächst sagt Thomas
Energiesparer186088
 
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Stefan » Donnerstag 29. März 2018, 16:49

Hallo,

ich habe mir ebenfalls ein Modul besorgt, mit Stecker und Wechselrichter. Hatte es insgesamt 14 Tage in Betrieb und muss sagen, es funktioniert wunderbar. Blöd halt nur, das es über den Jahreswechsel war und somit das Wetter natürlich ziemlich mies war. Erträge wurden erzeugt, der Verbrauch im Haus wird reduziert, bzw. teilweise sogar komplett übernommen (im Sommer wenn keiner da ist oder so).

Ebenfalls habe ich eine Bridge, die die Verbräuche und die Erträge aufzeichnet, dies kann man sich am PC und / oder Handy per App ansehen. Funktioniert wirklich alles wunderbar.

Angeschlossen hatte ich das Modul an die Gartensteckdose, somit an einen reinen, normalen Stromkreis. Da es ein 300W-Modul ist, liefert es maximal 1,3A Strom. Bei einer "normal" abgesicherten Steckdose sind 16A abgesichert. Wenn man bedenkt das die 1,3A nur im perfekten Zustand erzeugt werden (Ausrichtung, Neigung, Wetter, ...) habe ich mir relativ wenig gedanken über Gefahren gemacht (habe aber natürlich auch dran gedacht).

Abgebaut wurde die Anlage nur, weil wir dann einen Kaufvertrag für eine Dachanlage unterschrieben habe, somit ist die kleine Anlage über.

Falls jemand so eine Anlage benötigt, ich würde meine Verkaufen, komplett so wie sie hier steht. Wenn also jemand mal wieder nach Ostfriesland möchte, darf er sich hier gerne ansehen.

Grüße
Stefan
 
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon hanshermannsorg » Donnerstag 17. Mai 2018, 10:15

Ist auf dem Balkon die Ausbeute so hoch?
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Re: Guerilla-Photovoltaik oder auch: Strom für die Steckdose

Beitragvon Energiesparer214619 » Dienstag 16. Oktober 2018, 11:34

hanshermannsorg hat geschrieben:Ist auf dem Balkon die Ausbeute so hoch?


Das kommt eben auf die Ausrichtung und Abschattung des Balkons an. Ist es ein Südbalkon und die Anlage wird wie im Beitrag von Energiesparer195644 außen an der Brüstung montiert kann der relative Ertrag schon gut sein. Wird sie allerdings hinter der Brüstung aufgestellt (sprich abgeschattet) oder stimmt die Himmelsrichtung nicht kann der Ertrag schon deutlich zurück gehen. Auch wenn Bäume oder Nachbarhäuser Schatten auf den Balkon werfen sinkt natürlich der Ertrag während der Verschattung.

Wichtig ist es vor allem, dass die Anlage gerade zu der Zeit Strom erzeugt, zu der welcher gebraucht wird. Demnach empfiehlt sich die Ausrichtung nach Süden wenn man tagsüber zu Hause ist. Oder weiter Richtung Westen, wenn man erst Nachmittags und Abends da ist. Auch der Neigungswinkel sollte nicht senkrecht sein, sondern etwas flacher.

Haben Sie einen hohen Jahresverbrauch wäre es vermutlich wirtschaftlicher erst die Stromfresser zu finden und abzuschalten. Gerade der Stand-by-Verbrauch kann einige Hundert Kilowattstunden im Jahr ausmachen und schon durch schaltbare Zwischenstecker für 1,50 € / Stück vermieden werden. Mehr zum Thema finden Sie auch unter: https://www.energieatlas.bayern.de/buer ... paren.html
Energiesparer214619
 
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